Lifoli XVIII

Muy buenos días :)

Es ist lange her, dass ich Zeit gefunden habe, mich meinem Blog zu widmen, und da mich mein schlechtes Gewissen fast schon genau so lange plagt, nehme ich mir jetzt einfach eine kleine Auszeit von all dem, was es zu tun gibt und bringe euch auf den neuesten Stand.
¿Entonces, qué hay de nuevo? Was gibt es also Neues?
Nachdem ich den März mit meiner Familie verbracht habe, eine Zeit die ich – trotz des oder eben auch aufgrund des anstrengenden Dolmetscherdaseins – in vollen Zügen genossen habe, immerhin konnte ich mein kolumbianisches Leben abgesehen von den Blogeinträgen und Telefonaten direkt live präsentieren und meine zweite Heimat nicht nur als Touristenführer herzeigen, sondern auch in besonders guter Begleitung näher kennenlernen, begab ich mich Anfang April sogleich in Besinnungstage des Colegio San Pedro.

Meine Cousinen und ich beim Besuch der Salzkathedrale in Zipaquirá

Diese werden mit den elften Klassen, die kurz vor dem Schulabschluss stehen, durchgeführt, um sicherzustellen, dass jeder Einzelne von ihnen gut über seine Zukunft nachgedacht hat und aus ungefähren Ideen konkrete Vorstellungen werden.
Die paar Tage der Ruhe und des Schweigens waren nach dem vorhergegangenen Mischmasch aus Deutsch und Spanisch richtig angenehm und ich konnte mich von den Reisestrapazen erholen :)
Danach ging es los mit der Vorbereitung von Lifoli XVIII.
Es gibt bestimmt ein paar, die noch wissen, was das ist, für den Rest eine kleine Gedächtnisstütze: Lifoli ist ein 5-tägiger Kurs für Schüler der siebten und achten Klassen, die im Laufe der Schulzeit besondere Fähigkeiten gezeigt haben und denen eine besondere Ausbildung ermöglicht wird, deren Ziel es ist, aus ihnen die “Leiter der Zukunft” im San Pedro zu machen.
Dieses, mittlerweile ja schon mein zweites, Mal durfte ich sogar eine der kleinen Gruppen aus sieben Schülern direkt betreuen. Das heißt, jeden Tag ein oder zwei Stunden mit drei Mädchen und vier Jungs verbringen und ihnen helfen, ihre Projekte für den Kurs vorzubereiten. Zum Einen mussten wir also Informationen recherchieren und diese auf Papier bringen – viel malen, schreiben, schneiden, kleben etc. – und zum Anderen Redegewandheit üben, da in der Schule auf einen sicheren sprachlichen Ausdruck, besonders in Referaten und Vorträgen, großer Wert gelegt wird.
Am Anfang kam mir das Alles gar nicht so leicht vor, ich kann zwar gut mit Kindern umgehen, aber zuvor hatte ich mich noch nie so intensiv mit einer Gruppe kolumbianischer Kinder auseinander gesetzt. Wir merkten aber bald, dass wir uns sehr gut verstehen, und schon nach der ersten Woche hatte ich sie lieb gewonnen :D
Besonders der Teil, in dem ich in meinem zum Teil ja leider doch noch nicht perfekten Spanisch ihre kurzen Reden beurteilen durfte, rief immer wieder Heiterkeit bei uns allen hervor ;)
Die Verantwortung war für mich im Vergleich zum letzten Jahr auch um einiges höher, täglich wurde ich von neugierigen Eltern angerufen, die während der Vorbereitung Fragen stellten oder sich während des Kurses um das Wohlergehen ihrer Kinder sorgten. Auch wenn es teilweise anstrengend war, alles zu beantworten, Unklarheiten über das Programm aus dem Weg zu räumen und noch dazu darauf hinzuweisen, den Kindern doch bitte auf keinen Fall davon zu erzählen, da das Motto “Lass dich überraschen” ist, die dadurch entstehende andauernde Beschäftigung lies keine Langweile aufkommen und mich jeden Abend todmüde ins Bett fallen :D

Die Arbeit mit Kleingruppen wird groß geschrieben :)

Die Arbeit mit Kleingruppen wird groß geschrieben :)

Während Lifoli beschäftigte ich mich zum Großteil mit der Beobachtung meiner “Schützlinge” und beurteilte, wie sie mit den verschiedenen ihnen gestellten Situationen umgingen. Außerdem hatte ich auch einige Rollen zu spielen oder Aktivitäten, wie zum Beispiel ein Morgengebet, zu leiten. Ansonsten versammelte sich meine Gruppe jeden Abend und wir besprachen das unter dem Tag Gesehene, Gelernte oder Gefühlte.
Für uns Leiter kam der Schlaf eindeutig zu kurz, denn danach ging es an die Nachbesprechung des Tages und die Vorbereitung des Nächsten, was hieß, dass wir frühestens um ein Uhr morgens ins Bett gingen.
Trotzdem habe ich diese Erfahrung in vollen Zügen genossen, besonders da meine “Kollegen” diesen letzten Kurs für mich unvergesslich machten :)

Ein Teil des Leiterteams beim Begrüßen der Kursanten

Ein Teil des Leiterteams beim Begrüßen der Kursanten

Wir hatten viel Spaß miteinander, weil ich mit einigen von ihnen gut befreunden bin, was unsere Zusammenarbeit natürlich sehr erleichtert hat. Als der letzte Tag gekommen war, wollten wir alle noch gern länger bleiben, aber der Alltag in Bucaramanga rief uns, sodass wir uns doch wieder im Bus von der Finca mit der herrlichen Sicht auf die Stadt aufbrachen, um hinab in den Talkessel der Stadt zurück zu kehren.

Gruppenfoto zum Abschlus

 

In den paar Tagen, die mir noch in der Schule bleiben, werde ich noch mit der Nachbereitung mit meiner Gruppe beschäftigt sein, bevor leider einer der anderen Leiter meine Aufgabe übernehmen muss, weil ich zurück nach Hause fliege :(

Ich verspreche aber, noch einmal zu schreiben, bevor es losgeht, besonders da ich mitten im Spenden Ausgeben für Mamá Dioselina stecke, immerhin hat mein Pfadfinderstamm Joseph P. Demmler aus Tittling satte 270 € gesammelt! Herzlichen Dank dafür, ihr seht dann bald, wie ich sie einsetze! :)

Bis bald aus Kolumbien,
Theresa :)

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Hogar Jerusalén

Das neue Schuljahr hat wieder richtig begonnen, endlich konnte ich wieder eine Gruppe Schüler auf eine der FAS-Aktivitäten begleiten. Wer sich nicht mehr erinnert, FAS (formación y acción social) bedeutet so viel wie Soziale Erziehung und Handlung.
Nachdem ich letzten Dienstag aufgrund der langen Pause nicht an die FAS Ausflüge gedacht hatte, wurde mir diese Woche glücklicherweise doch bewusst, dass auch in diesem Fall wieder Normalität eingekehrt ist und nun von Neuem wöchentliche Besuche besonderer Einrichtungen oder Orte in meinem Terminkalender stehen. :)
Also hieß es am Montag Abend noch schnell in einen der nächstgelegenen Supermärkte fahren, denn man hatte mir mitgeteilt, dass in dem Altersheim, welches wir besuchen würden, immer ein Mangel an Seife, Zahnpasta, Deos usw. zu beklagen wäre und derartige Geschenke natürlich besonders gern angenommen werden. Ansonsten würden mir dann während der Fahrt die Einzelheiten erklärt werden.
Am Morgen musste ich mich als erstes bei den Schülern vorstellen, da sie mich – als Sechstklässler – bis auf wenige Ausnahmen bisher nur vom Sehen kannten. Danach machten wir uns in zwei Kleinbussen auf den Weg, wo ich genauere Informationen über unser Ziel erhielt:

Schüler beim Betreten des kleines Grundstückes

Das Altersheim, das wir besuchten, ist eine spezielle Einrichtung für von ihren Familien verlassene oder auf der Straße aufgelesene ältere Menschen, die meist gesundheitliche Probleme haben. Einige von ihnen leben nur kurzzeitig dort, solange bis ihre Angehörigen eine Regelung gefunden haben, um sich richtig um sie zu kümmern. Andere haben aber schon Jahre dort verbracht. Die Finanzierung ist meiner Meinung nach sehr originell. Für viele Ausländer ist Kolumbien immer noch ein Land, dass nur von der Drogenmafia und Kriminellen beherrscht wird. Die Realität ist natürlich weitaus weniger tragisch, dennoch gibt es vor allem im Süden des Landes noch viele von der Guerilla kontrollierte Zonen. Hier im Norden hat man es aber schon so weit gebracht, die zuvor von den Gruppen besetzten Gebiete zurückzugewinnen. Dabei in Beschlag genommenen Fincas (ländliche Anwesen) sind heute Eigentum verschiedener Organisationen, welche alle Gewinne für verschiedene sich sozial engagierende Zentren, unter anderem “Hogar Jerusalén” (Altenwohnheim Jerusalem), einsetzen. So wird es ermöglicht, den Bewohnern ohne Krankenversischerung Medikamente, z.B. gegen Parkinson, zu bezahlen.
Dort angekommen musste ich leider – wie schon einige Male vorher- feststellen, dass vielversprechende Namen oft auch nur viel versprechen, wobei die Wirklichkeit in diesem Fall härter ist, als angenommen.

Zuerst mussten wir einige Minuten vor dem Eingang warten, da die Bewohner und Betreuer zu beschäftigt mit dem Frühstück waren, um unsere Rufe zu hören. Als sich dann doch jemand erbarmte und uns die Türe öffnete, fanden wir das Gelände dementsprechend verlassen vor.

Fast jeder der Bewohner hat ein Schublade mit Tabletten in der Krankenstation

Während die Schüler sich in den Schatten setzten stellten die begleitenden Lehrkräfte und ich uns bei der Heimleitung vor, welche uns zuerst in der Krankenstation empfing und uns danach ermutigte auch während dem Frühstück mit den Bewohnern Kontakt aufzunehmen. Das Haupthaus ist in zwei Stockwerke aufgeteilt, wobei sich im unteren neben den Schlafräumen der Männer und ihrem Essbereich die Küche und im oberen die Schlaf- und Essbereich der Frauen und die Badezimmer befinden.
In den Zimmern schlafen bis zu 6 Personen auf einmal, Jeder besitzt einen kleinen Schrank, wo er seine persönlichen Dinge aufbewahren kann. Meistens ist das aber nicht mehr als ein paar Kleidungsstücke und Schuhe.

Hier schlafen nur 2 Personen

Die Reaktionen der Bewohner auf unseren Besuch waren teils sehr verschieden, während uns manche

 

Hernando hilft mit: anderen beim Frühstück zur Hand

freundlich begrüßten und ihnen die Freude über die Abwechslung im Alltag deutlich anzusehen war, verließen andere beim Anblick der Kameras fluchtartig den Raum. Der Zustand vieler Bewohner war erschreckend, obwohl sie um sechs Uhr morgens aufgestanden waren, hatte man dem Großteil um 8 Uhr immer noch nicht beim Umziehen oder Waschen geholfen. Aus diesem Grund vermischten sich in den Räumen die Gerüche aus Essen, Schweiß und Urin, da auch noch Windeln gewechselt werden mussten. Man kann es als Glück bezeichnen, dass sich das Personal nicht um alle kümmern muss und einige sogar noch in der Lage sind, bei der täglichen Routine zur Hand zu gehen. So füttert Hernando bei jeder Mahlzeit drei seiner Kameraden. Er selbst sieht das als selbstverständlich an und hofft, dass er einmal die gleiche Behandlung erhalten wird. Trotz der Hilfe sind einige immer zum Warten verdammt und erhalten Schokolade, Tee, Agua Panela oder Kaffee erst, wenn alles schon kalt geworden ist. Unsere Hilfe wurde natürlich angenommen und wir erhielten zum Dank frohes Lachen und viele freundliche Worte des Willkommens :)

Dieser Einzelgänger reagiert nicht, wenn er angesprochen wird und zeigt keinerlei Interesse an Anderen

Man konnte deutlich erkennen, dass schon alle sehr gespannt auf den Kontakt mit den Schülern waren, auf meine Nachfrage hin wurde mir auch klar warum: auch wenn viele der dort lebenden Personen Familie in der Umgebung haben, ist es doch ein Ausnahmefall, dass jemand von Angehörigen Besuch bekommt. Die Meisten reden von sich selbst schon als Belastung, da ihnen wohl auch nicht sehr häufig das Gegenteil klar gemacht wird.
Es gibt auch Besuchszeiten für die Öffentlichkeit, allerdings habe ich den Eindruck, dass die meisten der Besucher nur kurz vorbei schauen, um ein paar Spenden zu bringen und das eigene schlechte Gewissen zu beruhigen. Laut der Heimleitung sprechen sie wenig mit den Bewohnern und im besten Falle nur sehr distanziert. Interesse wird kaum gezeigt.
Wir hatten uns daher vorgenommen, den Tag richtig interessant zu gestalten und ein besonderes Programm vor:
Zuerst konnten die Schüler Kontakt aufnahmen und sich vorstellen. Ich war überrascht von dem großen Interesse, welches sie dabei an den Tag legten, bei vorherigen FAS Aktivitäten mit älteren Schülern hatte ich schon ganz andere Szenen erlebt.

 

Was die Heiterkeit ausgelöst hat, weiß ich leider nicht, aber der Spaß ist offensichtlich

Sie gingen mit großer Offenheit auf die Bewohner zu, bald wurden Lebensgeschichten erzählt, Witze gerissen, oder Spiele aus den Rucksäcken geholt. Wie ich schon oben erwähnt habe, ziehen aber einige der älteren Menschen es vor, allein und in Ruhe gelassen zu werden, was man anhand der Körpersprache auch recht leicht erkennen konnte, also hielten die Kinder eher Abstand von ihnen. Ansonsten zeigten sie nur bei Extremfällen Berührungsängste: ein Mann begann zum Beispiel ihnen zu drohen und brach anschließend in Tränen aus, ein Anderer fuchtelte wie wild mit den Armen herum und sprach mit sich selbst. Zudem verstömten einige einen sehr unangenehmen Geruch nach Schweiß oder Urin und hatten sich wohl schon seit einigen Tagen nicht mehr gewaschen. Das Pflegepersonal bestätigte mit, dass diese oft gezwungen werden müssen, sich zu baden. In den Ecken des Hofes stapelt sich ihre benutzte Kleidung, die sie aber nicht zum Waschen bringen, aus Angst, es könnte etwas gestohlen werden.
Ich konnte anhand einiger Erzählungen feststellen, dass viele der Bewohner nicht glücklich im Altenheim sind, sie erzählten mir von fehlender Aufmerksamkeit des Pflegepersonals, Verschwinden persönlicher Dinge bis hin zu Mobbing untereinander. Einige scheinen sehr verbittert zu sein und zeigen deutlich, dass sie Zimmergenossen als Konkurrenz ansatt als Freunde ansehen.

Kekse und Säfte werden für später aufgehoben

Das wurde besonders deutlich, als wir begannen, die mitgebrachte Verpflegung aufzuteilen. Man konnte zum Beispiel eine Bewohnerin beobachten, die mit herumging und bei allen Kindern um etwas zu Essen oder Trinken bat. Dies ließ sie zusammen mit herumliegenden Päckchen in einer großen Plastiktüte verschwinden, welche sie anschließend versteckte. Dabei hatte die Gruppe wirklich viele Kekse, Sandwiches, Säfte etc. mitgebracht, sodass es genügend für alle gab. Die Menge an Mitbringseln als genügend zu bezeichnen ist eigentlich untertrieben, wie man zum Beispiel auf dem Foto sieht, konnte noch viel für später aufgehoben werden.
Einige der Personen tauschten daher untereinander Vollkorn- gegen normale Kekse oder Orangen- gegen Apfelsaft :)
Als nächstes Programmpunkt war ein kleiner Spaziergang vorgesehen. Wir konnten nur wenige der Bewohner mitnehmen, da einige auch verwirrt sind oder “Fluchtgefahr” besteht. Bei den anderen herrschte aber große Freude, da es nur sehr selten (z.B. bei Arztbesuchen) geschieht, dass das Gelände verlassen werden kann.

Händchenhaltend macht sich dieses Trio auf den Weg

Wir marschierten einen kleinen ruhigen Hügel hinauf und wurden nur hin und wieder von Motorrädern gestört. Ansonsten ist die Strecke unbefahren und sehr ruhig, es gab nur uns und die Sonne, die unbarmherzig auf uns nieder brannte. Ich glaube, ich bräuchte noch ein paar Jahre mehr in Kolumbien, um mich wirklich an diese das ganze Jahr andauernde Hitze gewöhnen zu können. Ich war also sehr froh, als wir ein kleines schattiges Plätzchen fanden, wo wir auf die Nachzügler warteten. Danach ging es wieder zurück ins Heim, wobei wir uns aber Zeit ließen und einen kleinen Zwischenstopp im Tante Emma Laden einlegten. Wir hatten uns und unsere Begleiter doch recht angestrengt und luden sie noch zu einigen Getränken ein.
Anschließend entspannten wir gemeinsam im Hof und fuhren mit den Gesprächen fort. Dabei wurde mir aber geraten, nicht auf den Bänken Platz zu nehmen, da diese nicht oft gereinigt werden viele der Bewohner ihre Bedürfnisse nicht mehr richtig kontrollieren können.
Besonders gut gefiel mir die Platzwahl der Frau, die mir von den Bänken abgeraten hatte:

Der Platz ist bestimmt angenehmer als so mancher der alten Stühle

Sie sagt, die Wiese sei weicher als alles andere, was es ansonten zum Sitzen gibt. Außerdem gibt es wenig Stühle für so viele Bewohner.
Als schließlich die Busse wieder kamen, um uns zurück zur Schule zu bringen, fiel uns der Abschied doch schwer und wir wurden gebeten, doch bald wieder zu kommen.

Diese Dame will mich kaum gehen lassen :)

Eine ältere Dame wollte mich partout nicht gehen lassen und ließ mich versprechen, bei der nächsten Möglichkeit wieder vorbei zu schauen.
Es hat mich gefreut wieder einmal zu erleben, dass schon ein kleiner Besuch den tristen Alltag aufhellen kann, ein paar getauschte Worte Lächeln in Gesichter zaubern und ich mit wenig Aufwand wunderbare Reaktionen erhalten kann.

Ich glaube, der Besuch hat einen bleibenden Eindruck bei den Schülern hinterlassen, schon mehrere der Eltern haben bei uns nachgefragt, wie man dem Altersheim helfen kann. Darüber freuen wir uns natürlich sehr, genau das ist ja auch der Sinn von FAS und es ist immer schön, kleine Erfolgsmomente zu erleben.

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Was war und was noch kommt

Mittlerweile sind wir schon im Februar angekommen. Noch vor einem halben Jahr schien die Zeit nur dahin zu schleichen und die Rückkehr in die Heimat so weit weg zu liegen.
Jetzt vergeht sie noch schneller als im Flug, die Tage laufen so schnell an mir vorbei, wie Sandkörner der kolumbianischen Strände durch meine Finger rieseln. Manchmal fühlt es sich an, als wäre nicht ich diese Person, die bald wieder nach Hause muss, sondern ein unbeteiligter Beobachter, der davon überzeugt ist, dass er hier bleiben kann. Ich bin hin- und hergerissen zwischen unheimlicher Freude, in ein paar Wochen wieder zu Hause zu sein und einem bedrückenden Gefühl der Traurigkeit, meine mittlerweile so lieb gewonnene Umgebung hinter mir lassen zu müssen.
Nachdem schon mehr als zwei Drittel meines FSJ der Vergangenheit angehören, ist der Zeitpunkt gekommen, einen Rückblick zu wagen, auf all das, was ich bis jetzt schon erlebt, erfahren, gelernt habe und hoffentlich nie wieder vergessen werde. :)
Ich habe mich in einem neuen Zuhause eingelebt, meine Umgebung Schritt für Schritt, Straße nach Straße erkundet und an Sicherheit im Umgang mit Mitmenschen gewonnen.
Der alltägliche Gang zum Colegio ist eine angenehme Routine geworden, auch wenn jeder Tag innerhalb der Schulmauern anders abläuft.
Von Anfang an wurde ich mit einer wunderbaren Gastfreundschaft aufgenommen. Meiner Meinung nach ist es schwierig, wenn nicht sogar unmöglich, ein Land zu finden, dessen Bewohner so offen und herzlich mit Gästen umgehen. Von einem Tag auf den anderen wurde ich als Teil des Colegios akzeptiert und in verschiedenste Projekte eingebunden.
Mit FAS durfte ich alle Jahrgangsstufen begleiten, um andere Schichten der Gesellschaft kennenzulernen. Ich freue mich schon sehr darauf, wenn in zwei Wochen endlich wieder die Besuche beginnen und ich noch mehr beeindruckende Menschen kennenlernen und mich mit ihnen austauschen kann.
Während der Kurse, die ich als Gruppenleiterin begeleiten durfte, konnte ich meine bisher schon gemachten Erfahrungen nicht nur anwenden, sondern sogar noch ausbauen und einige für mich selbst nützliche Dinge hinzulernen.
Die erlebten Situationen zaubern mir jetzt beim Zurückdenken ein Lächeln ins Gesicht und wenn ich daran denke, dass noch zwei Mal Lifoli (Líderes formando líderes – Leiter bilden Leiter aus) vor mir liegen, ich freundlicherweise zu den “ejercicios espirituales” (Spirituelle Erfahrungen – Eine Art Rückzug für die Schüler des Abschlussjahrganges) eingeladen wurde und regelmäßig von den Schülern gefragt werde, ob ich sie denn hierhin und dorthin begleiten werde, bin ich sicher, dass noch eine wundervolle Zeit vor mir liegt.
Einige meiner Familienmitglieder haben für ihre diesjährigen Weihnachtsspenden (vielen, vielen lieben Dank!) einen ganz besonderen Zweck ausgewählt. Ich konnte vor ein paar Tagen Mamá Dioselina bei einem Besuch die Nachricht überbringen, dass ich mit 400 Euro ihre Stiftung unterstützen kann. Nachdem ihr die Schule vor wenigen Wochen das neue Haus gekauft hat, war die Freude natürlich besonders groß. Mit Stolz wurde mir das neue Eigentum gezeigt:

Stolz öffnet mir Mamá Dioselinas Sohn die Haustüre

Ein kleines, einstöckiges Gebäude mit einem Eingangsraum, drei Schlafräumen, einer Küche und einer Art Hinterhof mit mit Dusche und Toilette. Außerdem wurde noch ein kleines angrenzendes Grundstück erworben, auf welchem demnächst begonnen wird, eine Art Versammlungsraum zu bauen, der zum gemeinsamen Spielen, Essen oder im Fall der Kinder zum Hausaufgaben Machen dienen soll. Ich möchte die Spenden meiner Familie einsetzen, um einige Schreibtische mit Stauraum, Stühle und didaktische Materialien wie zum Beispiel Malfarben und Pinsel, Scheren, Stifte usw zu kaufen. Leider konnte die Gemeinschaft bis jetzt noch nicht umziehen, da zuerst noch viele Reparaturarbeiten erledigt werden müssen.

Die Küche befindet sich in einem schlechten Zustand, der Boden muss nivelliert werden und es wird eine komplett neue Küchenzeile benötigt

Der Kaufpreis kann für deutsche Verhältnisse wie ein Witz erscheinen, aber 45 Millionen Pesos (ca. 19.000 €) sind in Kolumbien ein kleines Vermögen, das oft nicht aufgetrieben werden kann. Zusammen mit neuer Einrichtung und den Reperaturen muss mit weiteren 40 Millionen Pesos gerechnet werden. San Pedro wird weiterhin versuchen, Mamá Dioselina unter die Arme zu greifen, aber nachdem sie schon ihr eigenes Haus besitzt, wird sie auch Hilfe anderer Organisationen erhalten.
Vorerst ist es wichtig, die Küche und die Sanitäranlagen in Stand zu bringen, da der Umzug schon sehnlichst erwartet wird.

Auch hier gibt es Renovierungsbedarf

Momentan sind jeweils nur eine Dusche und Toilette vorhanden, da aber viele Personen zusammenleben werden und sich ihre Situation merklich verbessern soll, ist die Konstruktion weiterer unverzichtbar.
Der Pfadfinderstamm, dem ich in Deutschland angehöre hat eine Spendenaktion für ein von mir betreutes Projekt in Kolumbien am Misereor-Sonntag angekündigt, demnach hoffe ich, das dort gesammelte Geld auch Mamá Dioselinas Haus zu Gute kommen zu lassen. Schon im Voraus möchte ich mir herzlich für eure großartige Hilfe bedanken!
Ich freue mich schon darauf, euch vom Voranschreiten der Reparaturen berichten zu können und hoffe, es geht ausnahmsweise ein bisschen schneller, als man das in Kolumbien gewohnt ist ;)

Bis zum nächsten Mal aus Kolumbien,
Theresa

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Oh du fröhliche … (Advents- und) Weihnachtszeit

Ich möchte euch heute einladen, Weihnachten kennen zu lernen. Weihnachten in einem anderen Kulturkreis. Weihnachten ohne Schnee… und mit einer völlig unterschiedlichen Vorbereitung…

Wenn wir uns im Oktober oder November in den deutschen Supermärkten umsehen, finden wir neben den normalen Produkten Schokoladennikoläuse oder -weihnachtsmänner, Plätzchenzutaten und Adventskalender im Angebot. In Kolumbien sieht das Ganze ein bisschen anders aus. Ich erinnere mich, dass ich Ende September einen Supermarkt betrat und zuerst einmal überrascht stehen bleiben musste. Ich stand vor einer riesigen Abteilung aus Plastik -Christbäumen, Lichterketten und besonderen Geschenk -Angeboten für die Lieben zu Hause. Und dazu lief die Melodie von “Stille Nacht”… :)
Es traf mich recht unerwartet, aber es war so weit: das Geschäft mit Weihnachten hatte begonnen… von nun an sollte ich an allen Ecken und Enden überrascht werden und viele neue Bräuche kennenlernen.

Wir wissen also schon, dass man nicht früh genug beginnen kann, die Käufer auf die fröhlichste und wegen der Beleuchtung hellste Zeit des Jahres einzustellen. Ich will aber niemanden mit endlosen Beschreibungen all dieser Monate langweilen und springe deshalb gleich in den Monat November.
Während in Deutschland schon manch einer beginnen mag, mit Tannen – und Fichtenzweigen die ersten kleinen Weihnachtsdekorationen zu basteln und sich die Kinder schon auf das erste Plätzchenbacken freuen, wird hier auf den Dachboden geklettert, um riesige Schachteln, Müllsäcke und Dosen zu suchen. Aufgrund des hiesigen Klimas ist man auf Plastikbäume – und Girlanden angewiesen, die natürlich extrem viel Platz einnehmen. Hat man dann alles gründlich entstaubt, kann man beginnen, das Haus zu dekorieren.
Als wir am 6.November genau damit begannen, wurde mir bewusst, dass Dekoration hier eine etwas größere Dimension hat.
Sämtliche Treppengeländer und die Terasse wurden mit Girlanden versehen, riesige Socken aufgehängt, der Baum zusammengesteckt und aufgestellt, alle Bilder von den Wänden genommen und durch weihnachtliche Motiven ersetzt und die Balkone und Umrisse des Hauses mit Lichterketten geschmückt. Anschließend wurden Schleifen in Form gebracht und zusammen mit kleinen Schnee- und Weihnachtsmännern, vergoldeten Tannenzapfen und Äpfelchen und Weihnachtssternen aus Plastik in die Girlanden gesteckt.
Eine Armee aus kleinen Figuren, Uhren und sonstigen passenden Dekorationsgegenständen vervollständigten das Bild.
Kurz gesagt: Das ganze Haus wurde auf weihnachtlichen Vordermann gebracht.
Aber nicht nur mein Zuhause hat sich in dieser Zeit verwandelt. Auch die Einkaufszentren wurden herausgeputzt, wie es eben nur dort möglich ist: In der riesigen Dimension. Ich fand mich teilweise neben Bäumen aus allen möglichen Materalien wieder, welche vom Erdgeschoss bis zum zweiten Stock reichten, was schon ein beeindruckender Anblick war…
Sämtliche Bäume in den Parks verwandelten sich in leuchtende Gebilde und bekamen zur Unterstützung noch kleine künstliche Brüder an die Seite gestellt. Ganze Stadtviertel konkurrierten um die beste Dekoration der Stadt, sodass jedes der Häuser in einem Block besonders aufwändig und teilweise nach Themen dekoriert wurde. An Hochhäusern leuchteten von einem Tag auf den anderen alle Balkone in der selben Farbe…
Voller Staunen bemerkte ich kaum, dass der Dezember nahe rückte und bald der Advent beginnen würde.
Ich musste feststellen, dass dieser hier aber ganz anders gefeiert wird… Was ein Adventskalender ist, musste ich erst erklären, sodass ich sehr froh war, als ich am 8. Dezember Post bekam und mein Adventskalender aus Deutschland doch noch ankam.
Endlich konnte ich damit beginnen, die Tage bis Weihnachten rückwärts zu zählen. Am Tag darauf fand ich durch puren Zufall in einem Supermarkt einen importierten Schokoladenkalender. Von da an begann in der ganzen Familie der Wettbewerb, wer früher an das Türchen des entsprechenden Tages dachte und somit in den Genuss eines Stückens europäischer Schokolade kam… Manchmal sind wir ja doch alle Kinder… ;)
Zusätzlich versah ich einen Adventskalender, von dem vorher niemandem bekannt war, wozu er diente, mit Kaffeebonbons…
Die Kolumbianer backen selbst eigentlich keine Plätzchen, sondern kaufen die fertigen Produkte in der Dose. Deshalb sind die Backzutaten auch entsprechend teuer, nichtsdesdotrotz haben meine Schwester und ich uns auf die Suche gemacht, um unsere liebsten Sorten zu backen. Der erste Versuch schlug wegen des “Backpapieres” fehl, da unsere Plätzchen daran kleben blieben, beim zweiten Mal waren wir schon klüger und verwendeten die klassischen Hilfsmittel Butter und Mehl… die vierzig Plätzchen haben nur 2 Tage überlebt :D
Was ich aber hier (neben dem Schnee) trotzdem vermisste, war ein Adventskranz. Die vier großen Kerzen findet man in Kolumbien, wenn überhaupt, nur in den Kirchen. Dort bereitet man sich mit den “novenas” – den Weihnachtsnovenen – auf die Ankunft des “Niño Jesús” , des Christkindes, vor. Wie der Name schon sagt, beginnt man neun Tage vor Weihnachten damit, sich früh morgens in der Kirche oder am Nachmittag in Einkaufszentren oder Wohnbezirken zu versammeln und gemeinsam eine Messe oder einen Wortgottesdienst zu feiern. Diese Andachten haben jeden Tag ein anderes Thema und einen dazu passenden biblischen Text. Dazu werden die “villancicos”, die hier typischen Weihnachtslieder, gesungen und verschiedene Gebete gesprochen.
Am 24. Dezember geht man abends in die Christmette und um 12 Uhr mitternachts kommt dann endlich das Christkind.
Da es hier Brauch ist, dass sich die ganze Familie in einem einzigen Haus versammelt, konnte ich Weihnachten in einem für mich ungewohnt großen Kreis verbringen, und das, obwohl meine deutsche Familie schon zahlenmäßig überdurchschnittlich groß ist.
Weil die Geschenke erst um Mitternacht geöffnet werden dürfen, wird vorher das typische Weihnachtsmahl zusammen gegessen: Tamales (Eine würzige Rolle aus Maismehl, die mit einer Art Bohnen und Fleisch gefüllt ist), Schweinefleisch und Schinken mit Pflaunmenmarmelade, Brot und dazu heiße Schokolade mit zerlaufenem Käse… ich bin am heiligen Abend Bratwürste mit Sauerkraut, Brezen und einem guten Bier gewohnt, aber das neue Menü hat mir trotzdem hervorragend geschmeckt. ;)
Als Nachspeise gibt es Natilla, eine Art Pudding aus Maismehl mit Rosinen und Schokoladensoße.
Anschließend wird getrunken oder getanzt, keine Spur also von stiller Zeit und andächtigen Weihnachtsliedern. Die Freude, gemeinsam feiern zu können ist einfach zu groß und für viele Familienmitglieder ist es auch das einzige Mal im Jahr, dass man sich sieht.
Für mich war es natürlich nicht einfach, so weit entfert von der Familie zu feiern, aber die Unterstützung meiner neuen Familie war sehr groß und mit Hilfe vieler Umarmungen und Gespräche konnte ich mich sehr wohl und auch irgendwie zu Hause fühlen :)
Die Ungeduld der Kinder wurde immer größer, so lange, bis um Mitternacht endlich die Geschenke geöffnet werden durften. Im Gegensatz zu Deutschland, wo jeder seine Geschenke selbst unter dem Baum sucht, werden hier Stück für Stück die Geschenke verteilt, wobei laut vorgelesen wird, von wem und für wen das nächste Päckchen ist, das anschließend begleitet von Applaus überreicht wird.
Ich habe dieses Jahr Geschenke aus der Heimat und von meiner kolumbianischen Familie bekommen und war dementsprechend doppelt glücklich :)
Gefeiert wurde dann bis um 3 Uhr morgens. Der 25. Dezember, der einzige Feiertag, wird also zum Ausschlafen genutzt :)
Abends gehen viele Kolumbianer ins Kino, weshalb dort auch alles bis auf die Plätze in der ersten Reihe ausverkauft wird. Daher läuft auch jedes Jahr am Weihnachtsfeiertag ein nationaler Film an, der mir und meiner Familie sehr gut gefallen hat.

Weihnachten fern von der Heimat ist nicht immer einfach. Es ist gut möglich, dass einem sehr viele verschiedene Dinge fehlen, die einem zu Hause schon gar nicht mehr richtig auffallen. Ich habe dadurch gelernt, mein typisches Weihnachten zu Hause noch mehr zu schätzen.
Nachdem ich aber angefangen habe, die Unterschiede zu akzeptieren und mich mit Neugierde auf alles einzulassen, konnte ich feststellen, dass das kolumbianische Weihnachten zwar unterschiedlich, aber nicht weniger schön oder fröhlich ist. :)

Ich wünsche euch deshalb noch einmal “Feliz Navidad!” und außerdem “Próspero Año Nuevo!

Die Bilder zu diesem Artikel kommen erst jetzt in einer Galerie, da sie aufgrund der großen Anzahl kaum in den Text gepasst hätten :)

Bis zum nächsten Mal im neuen Jahr,

Theresa :)

 

 

 

 

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Wie reist man eigentlich – Carretera Colombiana

Schon öfters habe ich von Freunden oder der Familie die Fragen nach dem Reisen in Kolumbien gestellt bekommen:
Was muss man sehen, womit ist man unterwegs und wie lange dauert das überhaupt?
Nach nun schon mehr als einem halben Jahr in Kolumbien -wie schnell doch die Zeit vergeht, es scheint immer noch, als wäre ich gerade erst angekommen – werde ich über meine ganz persönlichen Erfahrungen berichten.

Kolumbien ist ein äußerst vielfältiges Land, wer also alle seine Facetten kennenlernen will, muss viel Zeit einplanen. Die wichtigsten und beliebtesten Reiseziele sind Santa Marta, Cartagena, der Tayrona – Nationalpark und das Cabo de la Vela in der Küstenregion, das Kaffeedreieck, die Blumen- und Modestadt Medellín (die außerdem noch Heimatstadt eines der berühmtesten Künstler Kolumbiens, Fernando Boteros, ist), die Hauptstadt Bogotá, das Amazonasgebiet und unzählige Nationalparks wie zum Beispiel der “Parque Nacional del Chicamocha” im Departamento de Santander, in dessen Nähe ich wohne.
Ich kann mich zu den glücklichen Menschen zählen, die davon schon einen Großteil kennenlernen durften, allerdings stehen auf meiner Wunschliste immer noch ein paar nicht abgehakte Ziele, die ich während der Ferien im Januar und zusammen mit meiner Cousine und ihrer Familie, die mich im März besuchen, kennenlernen will… :)
Womit ist man unterwegs: Es gibts drei grundlegende Möglichkeiten: Das schnellste und unkomplizierteste Verkehrsmittel ist wohl das Flugzeug. Außerdem werden viele Reisen in Bussen unternommen oder man bewegt sich, wie in Deutschland auch, mit dem Privatwagen fort. Dabei ist man allerdings immer sehr vom Wetter abhängig. In den letzten beiden Jahren hat Kolumbien stark unter vermehrten und andauernden Regenfällen gelitten. Viele der großen kolumbianischen Städte liegen im Andenraum, wodurch es sich schwierig gestaltet, große Verbindungsstraßen zwischen ihnen zu errichten. Auch wenn es schon seit Jahren ein festgelegtes und immer wieder verkündetes Ziel der Regierungen ist, die Carreteras (Verbindungsstraßen) auszubauen, verschwindet das Geld nach wie vor in der Korruption. Das Ergebnis sind einspurige, schmale und sehr kurvige Straßen, die auch zum Lebensmittel- und Gütertransport benutzt werden. Kommen dann die Regenfälle ins Spiel und weichen die Erde an den Hängen auf, sind die Wege oft durch Erdrutsche oder eingestürzte Brücken unterbrochen, sodass sich der, der es sich leisten kann, mit dem Flugzeug bewegt und die erhöhten Preise bezahlt. Wie manch einem vielleicht aufgefallen ist, habe ich den Schienenverkehr noch nicht erwähnt, ganz einfach weil er in Kolumbien keine Rolle spielt. Für den Personentransport wurde er schon vor Jahren eingestellt und für den Gütertransport fehlen die Strecken. All dies führt dazu, dass Kolumbiens Straßen sehr voll sind und die Reisenden unter teils sehr langen Staus leiden müssen.
Damit ihr euch das alles aber noch ein bisschen besser vorstellen könnt, will ich euch von meiner Reise von Bogotá nach Bucaramanga erzählen. Im November habe ich eine Woche in Bogotá verbracht, nachdem meine kolumbianische Schwester wieder von Deutschland nach Hause gekommen war. Zu ihrem Universitätsabschluss hat sich dann fast die ganze Familie dort eingefunden, um diesen auch richtig zu feiern.

Ein kleiner Teil meiner neuen Großfamilie :)

Meine Gastfamilie ist mit dem Auto gereist und während ich die Hinreise noch im Flugzeug angetreten hatte, machten wir uns gemeinsam im Auto auf den Rückweg. Los gings um 9 Uhr morgens in Bogotá bei schönem Wetter, wir rechneten also damit, ca. acht Stunden später in Bucaramanga anzukommen.
Ich kannte die Strecke schon in der anderen Richtung, muss aber zugeben, dass ich vor drei Jahren wohl den Großteil davon verschlafen habe. Wie schon gesagt, die Straßen sind sehr schmal und kurvig und wegen der vielen Lastwägen, die unterwges sind, ist man eigentlich ständig am Überholen. Weil man aber wegen der Kurven nicht weit sehen kann, hat man sich hier angewöhnt an besonders unübersichtlichen Stellen vor einer solchen zu hupen, um den Gegenverkehr zu warnen. Trotzdem war mir nicht immer ganz wohl zu mute, wenn es an einem der langen Fahrzeuge vorbei ging ;)
Ich habe mich aber bewusst abgelenkt und die tolle Landschaft auf beiden Seiten der Strecke bewundert…

bergige Landschaft, saftiges Grün und weite, freie Flächen

Die bergige Landschaft hat es schon mehrere Male geschafft, mein Heimweh nach Bayern ein bisschen zu lindern, da ich mich zwischen ein paar grünen und unbebauten Hügeln einfach zu Hause fühle. Trotzdem sind die beiden Regionen nicht zu vergleichen, in Kolumbien scheint alles größer, weiter und irgendwie unendlich zu sein. Das kann aber auch daran liegen, dass Deutschland nur ca. halb so groß wie Kolumbien ist… ;)
Nach vier Stunden im Auto legten wir eine Pause ein, um unsere leeren Mägen mit typischen Gerichten wieder aufzufüllen und waren fest überzeugt, die Hälfte der Reise schon überstanden zu haben. Wir hatten uns aber zu früh gefreut, die Hälfte der Strecke hatten wir zwar schon hinter uns, allerdings begannen dann die Probleme.
Nachdem wir wieder 5 Minuten unterwegs waren, wurden wir mitten auf der Strecke aufgehalten und informiert, dass wir nun 50 Minuten warten sollten, weil auf einer Strecke von 2 Kilometern die Mittellinie neu gezogen werden musste. Schneller als man sich vorstellen kann, hatte sich schon ein Stau gebildet. Argumentieren half natürlich nichts, auch wenn die Maschine noch gar nicht losgefahren war…
Wir machten also, was jeder in einem Stau macht: Aussteigen und sich die Beine vertreten.
Ich ließ mir so ziemlich alles über die am Straßenrand wachsenden Pflanzen erklären und bekam Namenskunde der Kuhfamilie…. Milchkuh, Kalb, Stier usw… :) Passend dazu machten wir auch noch Fotos ;)
Außerdem bekam ich eine für mich sehr interessante Geschichte zu hören: In Kolumbien nimmt jeder Lastwagenfahrer eine Hängematte mit, um im Notfall, das heißt, wenn ein Stau länger andauert, bequem schlafen zu können. Für mich war das allerdings kaum vorstellbar, und neugierig wie ich bin, fragte ich kurzum den Fahrer des hinter uns wartenden Biertrucks, ob ich seine Hängematte ausprobieren dürfte…. :D
Tatsächlich hat fast jeder Lastwagen, in Kolumbien “mula” genannt, zwischen zwei der riesigen Reifen Haken angebracht, um die Hängematten befestigen zu können… Wieder einmal zeigt sich, dass die Kolumbianer sehr gastfreundlich zu Touristen sind, da mir meine Bitte auch gleich erfüllt wurde.

Ein Lastwagen voll Bier... aber leider ungekühlt ;)

Mit Sonnenhut in der Hängematte... so lässt sich ein Stau aushalten

Der übrigens sehr gesprächige Fahrer war zudem noch so nett, mir auch seinen Hut zu leihen, damit ich wegen der Mittagssonne nicht mit Sonnenbrand weiter fahren musste. Nachdem wir alle einmal die wirklich gemütliche Hängematte ausprobiert hatten, wurden uns noch einige unglaubiche Geschichten erzählt. So zum Beispiel musste der Fahrer einmal 14 Tage in einem Stau verbringen, nachdem ein riesiger Erdrutsch 10 Kilometer vor seinem Ziel die Strecke so versperrt hatte, dass nur kleine Autos oder Motorräder passieren konnten. Und da die Hilfe wie immer spät ankam, mussten er und seine Kollegen 2 Wochen lang unter ihren Gefährten verbringen.
Meiner Meinung nach ist Geduld eine andere typische Charakterstärke der Kolumbianer.
Nach guten 40 Minuten konnten wir unsere Reise fortsetzen und verabschiedeten uns in aller Eile von unserer Bekanntschaft, weil wir auf jeden Fall zu den ersten Fahrzeugen der Reihe gehören wollten, um nicht wieder überholen zu müssen :)
Zusätzlich dazu verbachten wir noch fast weitere 2 Stunden in anderen Staus am Rande kleiner Ortschaften. Die Straßenhändler reagieren hier sehr schnell, schon nach wenigen Minuten wurden uns Säfte, Früchtesalate, Kaffee, Kekse usw. angeboten. Diese Art von unangemeldeter Beschäftigung ist in Kolumbien sehr häufig, sehr viele Menschen verdienen sich ihr tägliches Brot mit dem Verkauf von Erfrischungen an Ampeln oder versuchen, Autofahrer zu finden, die sich während der Wartezeit die Scheiben putzen lassen. Sie verdienen nach eigenen Angaben dabei bis zu 30.000 Pesos (12 €)pro Tag und können damit auch vergleichsweise gut leben, zahlen allerdings keinerlei Versicherungen. Sollten sie krank werden oder einen Unfall haben, sind sie somit von ihren Familien abhängig, da die staatliche Hilfe, die extra für den Krankheitsfall dieser Personen eingerichtet wurde, absolut unzureichend ist.
Aber zurück zum eigentlichen Thema… für mich ist das Reisen auf den Carreteras angenehmer, wenn die Strecke in kleinen Etappen zurückgelegt wird und zwischendurch auch noch Sehenswürdigkeiten besucht werden. Aus diesem Grund hat mir meine Familie den Geburtsort meines Gastpapas, Socorro, gezeigt.

Mein Onkel Disraeli und ich vor der Kirche Socorros

Die Stadt ist zwar klein, aber sehr schön und hat zudem noch eine große Rolle in der Unabhängigkeitsbewegung gespielt.
Kolumbien ist ein Land voller Geschichte und ich freue mich schon auf meine kommenden Reisen hier um neue Orte kennenzulernen und mir ihre Geschichten erzählen zu lassen… :)
Vielleicht schaffe ich es endlich wieder, eine Reise im Bus anzutreten, das habe ich ja in dem halben Jahr hier immer noch nicht geschafft…

Momentan bin ich sehr gespannt auf das südamerikanische Weihnachten…
Ich wünsche euch allen frohe Festtage und denke fest ans hoffentlich weiße Deutschland!
Liebe Grüße,
Theresa :)

 

 

 

 

 

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Das Schulsystem und seine Folgen für mich

Buenos días, todos :)

Zuerst einmal muss ich mich entschuldigen, dass ich mich schon so lange nicht mehr gemeldet habe… Ich hoffe, ihr habt meine Geschichten nicht all zu sehr vermisst ;)
Ich bin die letzten Wochen etwas entspannter angegangen, da ich momentan kurz vor Weihnachten noch in einer intensiven und arbeitsreichen Zeit stecke:)
Im Zuge dessen habe ich mir eine Woche Urlaub an der Karibikküste, genauer gesagt in der wundervollen Stadt Santa Marta, gegönnt. Ich kannte Santa Marta schon von meiner Kolumbienreise vor drei Jahren und wollte dieses Mal die 10-stündige Reise im Bus auf mich nehmen. Allerdings hat mir dann die “Regenzeit” – das heißt, es hat über 2 Wochen jeden Tag geschüttet, was vom Himmel ‘runterfallen konnte – einen Strich durch die Rechnung gemacht… von daher kann ich euch, wie eigentlich versprochen, auch noch nichts über die Straßenverhältnisse auf den Carreteras – den Verbindungsstraßen zwischen den großen Städten- erzählen, da ein Großteil dieser wegen massiver Erdrutsche gesperrt war. (Mit diesen Erdrutschen haben wir im Moment auch zu kämpfen, da in der Nähe meines Wohngebietes ein am Hang gebautes Haus herabzustürzen droht und uns täglich zwingt, Umwege und Staus auf uns zu nehmen. Außerdem gehen die Aufräumarbeiten oder Reperaturen nur sehr langsam voran.) So machte ich mich mit dem Flugzeug auf den Weg, um eine Woche mit Sonne und Strand zu verbringen und nach den drei Monaten fast durchgängigen Arbeitens auch mal wieder ein bisschen mehr Zeit zum Entspannen, Ausschlafen und vor allem Lesen zu haben. :)
Die ersten drei Tage habe ich auch gleich mein erstes spanisches Buch zu Ende gelesen, weil es auch an der Küste sehr geregnet hat…
Danach wurde das Wetter aber wirklich schön, ich konnte jeden Tag an den Strand und bin mit meiner Tante der kolumbianischen Familie, in deren Haus ich geblieben bin, zum Einkaufen gegangen ;) Verschiedene Familienmitglieder und Freunde können sich jetzt schon mal auf Mitbringsel freuen, auch wenn ich jetzt natürlich nicht mehr verrate :)
Santa Marta ist zu Recht eines der beliebtesten touristischen Ziele Kolumbiens, es besitzt einen sehr schönen alten Stadtkern mit Häusern im Kolonialstil und zahlreiche beeindruckende Strände… :)

Die Felsen am Strand sind typisch für den Nationalpark Tayrona und lassen schnell erkennen, wo man gerade ist

Der Felsen Santa Martas im Meer bei Sonnenuntergang

Auf den zwei Fotos kann man sich ja mal einen Eindruck machen, wem das nicht genügt, dem würde ich entweder einen Besuch auf der Website http://www.colombia.travel/de/index.php
empfehlen, oder vorschlagen, dass er mir einen Besuch abstattet, ich bin gerne bereit, ein wenig Reiseführererfahrung zu sammeln ;)
Die Website ist allerdings wirklich zu empfehlen, vor allem für diejenigen meiner lieben Leser, die bis jetzt nocht nicht viel über Kolumbien in Erfahrung gebracht haben :)
So jetzt bin ich aber fertig mit dem Erzählen über meinen Urlaub und nachdem jetzt wieder alle auf dem Laufenden sind, werde ich jetzt endlich darüber schreiben, was ich eigentlich im Titel schon erwähnt habe. Ich hoffe, der Verwunderung ist nun damit eine Ende gesetzt… ;)

 

 

Jetzt bin ich wieder fleißig am Arbeiten und da ich ja in einem Colegio arbeite, nütze ich hier die Gelegenheit, auch einmal über die Unterschiede im Schulsystem zu berichten.
Die Erziehung und Ausbildung, die die Jugendlichen einen fremden Landes erhalten, gehört meiner Meinung nach zu den Dingen, die man absolut kennenlernen muss, wenn man dazu die Gelegenheit hat. Da das von Deutschland aus aber schlecht geht, werde ich, so gut mir das bis jetzt möglich ist, einfach ein paar kleine Dinge erklären.
Vergleiche mache ich aber mit dem bayerischen System, ich kenn mich in den anderen einfach nicht aus :)
Die meisten kolumbianischen Mütter beginnen schon zu arbeiten, wenn die Kinder noch im Babyalter sind, deshalb werden diese schon früh in die Hände von Tagsmüttern oder Kinderkrippen gegeben. Für mich persönlich wäre das unvorstellbar, was hätte ich denn nur ohne meine Mama gemacht ;) Im Alter von ca. 3 Jahren beginnt der Kindergarten, der drei Jahre lang dauert und in “prejardin”, “jardin” und “transición” (Vorkindergarten, Kindergarten, Übergang) aufgeteilt ist. Hier bekommen die älteren Kindergartenkinder schon erste Grundlagen in Lesen, Schreiben und Rechnen vermittelt. Es werden aber zur gleichen Zeit Druck- und Schreibschrift gelehrt, was laut der Meinung vieler Lehrer der Grund dazu ist, weshalb die Schrift vieler Kinder kaum leserlich ist. (Auch ich wurde schon ein Opfer dieser Schrift, als ich einen Fragebogen zu unserer Arbeit auswerten durfte.) Danach fängt wie auch uns bei die Grundschule an, dauert aber noch ein Jahr länger, was heißt, dass die Kinder erst mit dem Eintritt zur sechsten Klasse im Colegio starten. Hier liegt auch der große Unterschied: Während es bei uns verschiedene Möglichkeiten gibt, den schulischen Weg nach der Grundschule fortzusetzten und nur ein Teil der Schüler den langen Weg zum Abitur im Gymnasium wählt, gibt es hier nur das Colegio, wo jeder Schüler, sofern er seine Ausbildung nicht komplett abbricht, das Abitur macht. Das ist auch nötig, da man für die Ausübung fast jeden Berufes in Kolumbien ein Studium braucht.
Das Studium beginnt für die meisten schon im Alter von 17 Jahren, da nur 11, in wenigen Privatschulen auch 12 Jahre an Schulzeit vorgesehen sind. Es gibt eine höhere Anzahl von Wiederholenden, trotzdem bin ich älter als alle Schüler am Colegio.
Man kann sich vorstellen, dass ich mich teilweise in meine Zeit in der zehnten oder elften Klasse am Gymnasium zurückversetzt fühle, wenn ich an den Unterrichtsstunden teilnehme oder als Leitung zu verschiedenen Kursen mitfahre :)
Ich habe mich mittlerweile aber trotzdem mit sehr vielen von den älteren Schülern angefreundet und bin teilweise selbst überrascht, wie viele Namen ich schon kenne. Ich erinnere mich noch sehr gut an meine ersten Wochen im San Pedro, wo ich aus Verzweiflung einfach immer die häufigsten Namen genannt habe, in der Hoffnung, es könnte sich jemand angesprochen fühlen ;) Das ist nun Gott sei Dank vorbei… :D
Ich verbinge den Großteil meines Tages beim Arbeiten, denn ich fange wie die Schüler, Lehrer, der Schulleiter, die Sekretärinnen, kurz, wie alle, um sieben Uhr morgens an. Mein erster fester Tagesordnungspunkt ist das Kaffeekochen :) Die Aussicht auf einen frischen kolumbianischen Tinto erleichtert mir auch das frühe Aufstehen und bereitet mich auf die Horden von “Estudiantes” vor, die spätestens zur ersten Pause kommen, um zu reden, uns um Gefallen zu bitten oder einfach, um uns zu besuchen. Am vollsten habe ich Pastoral aber während der Fußballspiele der Nationalmannschaft erlebt, da wir aufgrund eines Fernsehers dann besonders gerne besucht werden und uns kaum mehr im von begeisterten Fans vollgestopften Raum bewegen können. :)

Um 12:30 Uhr gönnen wir uns eineinhalb Stunden Mittagspause.
Rund um die Schule haben unendlich viele kleine Restaurants geöffnet. Zumindest scheint es unendlich viele zu geben, da ich bei den ca. 20 besuchten Restaurants immer noch neue finde. Sie alle bieten Mittagsmenüs zwischen 6.000 und 15.000 Pesos an, zwischen 2,30 € und 7 € ist also alles dabei. Dafür bekommt man immer eine Suppe, ein Hauptgericht, viel Saft und teilweise sogar noch einen Salat und eine Nachspeise. Der “hohe” Preis von 15.000 Pesos bedeutet dann ein aufwändiges, sehr gut abgschmecktes und vielfältiges Menü mit einer großen Nachspeise :) Leider sind 6 Euro – für deutsche Verhältnisse ja sehr wenig-  auch ein bisschen viel, wenn man jeden Tag so gut essen will…
Ich habe mir mittlerweile schon angewöhnt, mindestens ein Mal pro Woche selbst zu kochen. Meistens nehme ich dann ein bayrisches oder deutsches Gericht in die Schule mit, erstens, um den Geschmack nicht zu vergessen und zweitens, damit meine Kollegen oder Mitschüler unsere Spezialitäten auch kennenlernen können :)
So habe ich mittlerweile aber viele kolumbianische Gerichte kennengelernt, wobei viel Fleisch, insbesondere Hühnchenfleisch eine große Rolle spielt. Fisch ist bei mir im Inland leider relativ teuer, darauf muss ich folglich oft verzichten :(
Während der Mittagszeit ist die Innenstadt voll mit uniformierten Jugendlichen, da sowohl in privaten, als auch in öffentlichen Colegios Uniformplicht herrscht.

Die Tagesuniform bei einer Vollversammlung

Schüler der 9ten Klasse bei einer FAS Aktivität in Sportuniform

Von Schule zu Schule gibt es nur kleine Unterschiede in Farbe der Hosen, Oberteile und Röcke, ansonsten sind die Kleidungsstücke aber immer sehr ähnlich. Für die Mädchen besteht die Tagesuniform aus einem karierten Rock mit zwei Trägern (in seltenen Fällen auch aus Kleidern) und einer weißen einfachen Bluse. Dazu werden weiße Kniestrümpfe getragen, aber wie man auch auf dem Bild erkennen kann, tendieren die Mädchen eher dazu, diese so weit wie möglich nach unten zu schieben. Vervollständigt wird das Bild durch rote Halbschuhe. Die Jungen im San Pedro tragen eine dunkelblaue Stoffhose und dazu ein rotes Poloshirt, das mit dem Logo des Colegios versehen ist. Zusätzlich dazu bekommen die Schüler des elften Klassen das Recht, jedes Jahr ihre “Abschlussjacke” zu gestalten. Die “Promoción 2011″ hat dafür eine leuchtend gelbe Jacke ausgewählt. Zudem hat jeder Schüler, egal ob Junge oder Mädchen noch eine Sportuniform, die erstens natürlich beim Sportunterricht benutzt wird und zweitens auch noch bei Ausflügen benutzt wird. Sie hat den Vorteil, dass sie bequemer ist und wird von den Schülern dehalb auch bevorzugt. Sie besteht aus blauen Jogginghosen und einem weißen Poloshirt, ebenfalls mit Schullogo.
Ich persönlich muss keine Uniform tragen, habe mir aber die Sportuniform gekauft, um bei Ausflügen als Teil der Gruppe erkannt werden zu können.
Jetzt bin ich aber vom Tagesablauf abgeschweift :) Nach der Mittagspause kehren wir alle nochmals für zweieinhalb Stunden zurück, bis wir schließlich um halb 5 in die Freiheit entlassen werden. Ich bleibe oft noch länger in der Schule, um bei Vorbereitungen zu helfen oder um den Sportlern zuzuschauen. Deshalb ist es auch meistens schon finster, wenn ich nach Hause komme, denn um 6 Uhr abends geht die Sonne unter. Da es bei uns aber keine Zeitumstellung gegeben hat, beträgt der Unterschied momentan nur 6 Stunden zu mitteleuropäischen Zeit, sodass ich jetzt leichter mit meiner Familie und meinen Freunden sprechen kann :)

Das Schuljahr in Kolumbien unterscheidet sich sehr stark von dem deutschen. Der Unterricht beginnt Anfang Februar, an Ostern und im Juni werden kleine Pausen eingelegt, bis es schließlich im November endet. Wir sind also offiziell schon in den Ferien, aber es kommen ja noch Curso Taller und Campamento Misión auf uns zu, wofür es immer noch viel vorzubereiten gilt.

Konstruieren, Malen, Ausschneiden... alles für Curso Taller

Dafür haben wir in den letzten Tagen noch Unmengen an Material, von Pinsel und Farbe, über Kartone und Kraftpapier, Bleistiften und Kugelschreibern bis hin zu Schere und Kleber… Der Vorrat dürfte uns bis zum Halbjahr reichen, musste aber noch ausgepackt und geordnet werden und hat uns dementsprechend beschäftigt.

Das ist nur eine der vielen Kisten...

Außer unserem Team müssen nur noch diejenigen Schüler kommen, die noch Nachprüfungen abzulegen haben, aber ansonsten ist das Schulhaus fast gespenstisch leer und still ;)
Ich vermisse schon jetzt viele Schüler der Abschlussklasse, die im nächsten Jahr in Bogotá studieren werden und wohl nicht so häufig nach Hause kommen werden, um uns zu besuchen. Ich bin aber zuversichtlich, auch die zweite Hälfte meines Auslandsjahres trotz ihrer Abwesenheit gut zu genießen und weiterhin viele tolle Erfahrungen zu sammeln.
Über die anstehenden Aktionen berichte ich dann bald :)

Bis dahin schicke ich euch liebe Grüße aus dem schon sehr weihnachtlich gestimmten Kolumbien und hoffe, ihr seid schon neugierig, wie das dann aussieht ;)

Theresa

 

 

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FAS 10° – Mesa de los Santos

Compartimos la vida y el trabajo con el campesinado
Hermano y hermana campesina muéstrennos su parcela
ODER AUCH
Wir lernen das Leben und die Arbeit der Bauern kennen.
Brüder und Schwestern, die auf dem Land arbeiten, zeigt uns euer Ackerland.

Keine Angst, wer bis jetzt nur Bahnhof versteht, die Erklärung kommt gleich :)
Diese Woche habe ich zusammen mit den Schülern der 10ten Klassen eine ganz besondere Erfahrung gemacht.
Im Rahmen der FAS Aktivität dieses Jahres ging es für uns auf in die Mesa de los Santos, einer Region in der Nähe von Bucaramanga, um einen Tag lang das Leben und die Arbeit der dort lebenden Bauern kennenzulernen.
Dafür machten wir uns am Donnerstag Mittag, alle bepackt mit Isomatte, Schlafsack und der Kleidung des nächsten Tages, mit dem Bus auf zu einer dreistündigen Reise in das Hochland, das vor allem für seinen vorzüglichen Kaffee und Tabak bekannt ist.
Zuerst waren wir 2 Stunden auf der geteerten Straße unterwegs, das letzte Stück des Weges verbrachte ich allerdings mit einem mulmigen Gefühl. Die Straße wich einem sandigen Weg, gerade einmal so breit, dass der Bus noch um die Kurven kam, auf der einen Seite sah man viel sandiges Gestein, auf der anderen gings steil den Abhang hinunter…
Um nicht darüber nachzudenken, was bei Gegenverkehr passieren könnte, habe ich mich einfach auf die wunderbare Landschaft konzentriert.

Rotes Sandgestein, grüne Hügel und blauer Himmel am Nachmittag

Ananas sind Bodenplanzen

Die Straßen sind trocken und staubig, haben aber eine wundervolle rot-orange Färbung. Außerdem hatte ich den Eindruck, dass der Himmel einige hundert Meter über Bucaramanga gleich noch blauer aussieht, als man das aus der Stadt gewohnt ist. Das durch den – dieses Jahr vergleichsweise häufig gefallenen – Regen genährte Grün der Pflanzen und Gräser vervollständigt das malerische Bild.
Ich schäme mich fast ein bisschen, das jetzt zuzugeben, aber bis vor einigen Tagen dachte ich noch, dass Ananas auf Bäumen wachsen… nun wurde ich eines besseren belehrt ;)
Auf unserem Weg kamen wir nämlich auch an zwei Ananasplantagen vorbei und ich musste feststellen, dass Ananas Bodenpflanzen sind… wie war das noch mal? Man lernt ja doch nie aus…
Die letzte halbe Stunde des Weges hat mich der Schlaf übermannt, da es nichts Neues mehr zu sehen gab und das Geruckel des Busses eine einschläfernde Wirkung auf mich zu haben scheint… :)
Das nächste Mal wachte ich auf, als wir schon an unserem Übernachtungsort angekommen waren: Der Kapelle des Ortes, wo wir den nächsten Tag verbingen würden.
Ort… für mich heißt Ort ja immer noch eine Ansammlung von Gebäuden, die doch relativ nahe zusammengebaut sind. Hier ist die Kapelle zusammen mit der Schule das Zentrum während man in einigen hundert Metern Entfernung ein paar Häuser ausmachen kann.
Zuerst stellten wir nur unsere Sachen ab und warteten auf die Familien, die mit uns einen kleinen Wortgottesdienst feierten. Danach hatten wir noch ein bisschen Zeit, uns gegenseitig kennenzulernen ehe es für uns hieß, zu Abend zu essen und unsere Schlafstätten herzurichten. Dass wir uns dann alle auch gleich hinlegten hieß aber nicht viel, einige hatten anscheinend vor, die ganze Nacht wach zu bleiben, ich kann dazu aber

Mädchen und Jungs schliefen getrennt

nichts sagen, denn ich war gleich eingeschlafen und ließ mich von dem angeblich recht lauten Geschrei ausnahmsweise nicht aufwecken :)
Am Freitag hieß es dann um 6 raus aus den Federn, denn um sieben wurden die Familien erwartet, um die Kleingruppen abzuholen und zu ihren Fincas zu begleiten. Einige erschraken ein bisschen angesichts der Tatsache, dass man doch teilweise tatsächlich die 5 oder 6-jährigen Kinder geschickt hatte, um sie abzuholen, da die Großen ja zur Schule mussten und die Erwachsenen schon unsere Ankunft vorbereiteten.
Meine Gruppe und ich machten uns auch mit unseren Begleitern auf den Weg und nahmen die mitgebrachten Lebensmittel und Haushaltswaren mit… nach ca. 30 Minuten in der Morgensonne wurden uns diese aber ganz schön schwer, sodass wir froh waren, dass das nächste in der Ferne auftauchende Haus auch tatsächlich “unseres” war… die Häuser stehen hier alle in ca. 5 Minuten Entfernung zu Fuß zueinander…
Das Haus ist sehr ärmlich eingerichtet, der Boden besteht aus festgestampfter Erde und es gibt kein Bad oder Klo. Die Familie wäscht sich mit dem Wasser aus dem im Bild zu sehenden Brunnen.
Im Gegensatz dazu gibt es aber Radio, einen DVD-Player und zwei Fernseher. Es leben drei Generationen im Haus, da der ältere Bruder bereits verheiratet ist und zusammen mit seiner Frau und der 10 Monate alten Tochter auch dort lebt. Zur Begrüßung bekamen wir zuerst einmal schwarzen Kaffee, ehe wir zum Frühstück gebeten wurden. Und dann wurde aufgetischt:

Wir bekamen ein riesiges santanderianisches Frühstück, bestehend aus Caldo, einer typischen Suppe mit Kartoffeln und Eiern, zwei große Stücke Arepa (eine Art Brot), eine Portion Rührei mit Würstchen und heiße Schokolade, die auch wirklich so schmeckte, serviert…
Nachdem ich alles aufgegessen hatte, entschuldigten sich die Herren des Hauses für die “kleine Menge”, die sie uns anbieten konnten und zeigten uns, was wir als nächstes machen würden:

Wir trennen die klebrigen Tabakblätter von den Pflanzen

In diesen Häusern werden die Tabakblätter getrocknet

Wir wurden zu einem der an allen Seiten offenen Häusern geführt, die man in der Region sehr oft findet, da dort der selbst angebaute Tabak getrocknet wird. Unsere Familie hat nur ein kleines Tabakfeld, da der Großteil ihres Einkommens vom der Sohn, der im Bauwesen arbeitet, bestritten wird, demzufolge ist das Haus auch nicht sehr groß. Unsere Aufgabe war es, die sehr klebrigen Tabakblätter von den Pflanzen zu zupfen, damit später die Blätter auf Drähten aufgefädelt und aufgehängt werden konnten. Wir brauchten viel Seife und Wasser um unsere gelb-braunen Hände danach zu reinigen. Wenn einmal viele Reihen Tabakblätter neben- und übereinander zum Trocknen aufgehängt sind, ergibt das ein ähnliches Bild, wie man oben sehen kann.
Damit die Pflanzen vor dem Regen geschützt sind, reicht das Dach fast bis zum Boden, zusätzlich dazu werden auf den Seiten Plastikplanen angebracht.
Wir waren nach einer halben Stunde mit der Arbeit fertig und mussten dann feststellen, dass es nichts anderes mehr für uns zu tun gab, da die Bauern uns nicht zu sehr anstrengen wollten. Um dennoch etwas zu tun zu haben, besuchten wir die Nachbarn. Die dort eingesetzten Schüler freuten sich über unsere Unterstützung, da sie gerade dabei waren, alte Tabakpflanzen zu entwurzeln.
Einfach? Nein… :)
Die Wurzeln sind zwar sehr kurz und nicht tief im Boden verankert, allerdings muss man einiges an Kraft anwenden, um sie auch wirklich herauszubekommen…

Ich habs geschafft ;)

Wir sind dabei auch gehörig ins Schwitzen gekommen und waren froh, kurz vor dem Mittagessen noch eine kleine Pause einlegen zu können.
Die Hausherrin tischte wieder ordentlich auf, obwohl wir eigentlich noch vom Frühstück voll waren. Ablehnen war nicht möglich, immerhin hatte sie extra für uns eine Henne getötet, um uns noch Fleisch anbieten zu können.
Um etwas Bewegung zu bekommen, besuchten wir noch einige andere Familien in der Umgebung und ließen und dabei von den Kindern führen.
Da die Kinder dort jeden Tag zu Fuß zu Schule gehen und das schon seit sie sehr klein sind, haben sie keinerlei Probleme mit der Ortientierung. Wir sind uns aber einig, dass wir uns allein wohl verlaufen hätten ;)

 

 

 

 

So verließen wir uns einfach auf die vor uns laufenden und ständig erzählenden Kinder und konnten uns nebenbei wieder einmal auf die uns umgebende wunderbare Landschaft konzentrieren.
Am Nachmittag verabschiedeten wir uns schließlich von der Familie, bedankten uns herzlich für die Gastfreundschaft und freuten uns über ihre Bitte, doch bald wieder zu kommen. Danach ging es wieder auf die Rückreise.
Ich persönlich folge der Einladung bestimmt, immerhin kommt vor Weihnachten noch “Campamento Misión”. Aber was das ist, erfahrt ihr, wenn es soweit ist ;)
Bis dahin erzähle ich noch viele andere Sachen!!

Bis zum nächsten Mal!
Grüße an Deutschland,

Theresa :)

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Semana Patronal – Eine Woche pure Verrücktheit!

Wie beschreibt man Spaß, Lebensfreude, verrückte Aktionen, Kostüme, Tanzen, Lachen usw? Das hier wäre zumindest mal eine Kurzbeschreibung.
Aber am Besten fange ich einfach mal von Vorne an :)

Semana Patronal… während der ganzen Zeit, die ich an der Schule verbracht hatte, wurde ich immer wieder auf diesen Begriff aufmerksam… Jeder redete davon, schwärmte, erinnerte sich an vergangene Jahre.
Und ich saß die meiste Zeit daneben und verstand nur Bahnhof… irgendeine spezielle Woche in der Schule, ok, aber was bitteschön sollte daran sooo besonders sein? ;)
Irgendjemand hat sich dann – wahrscheinlich ob meiner hilflosen, verzweifelten oder verständnislosen Blicke- meiner erbarmt und mich aufgeklärt, über das, was viele Schüler die beste Woche des Schuljahres nennen :)
Ich verstand auch gleich warum… Semana Patronal bedeutet eine Woche ohne Unterricht, in der trotzdem alle zur Schule gehen. Und das nicht nur zu normalen Unterrichtszeiten, sondern noch viel länger. Die ganze Schule wird dabei in acht Gruppen eingeteilt, deren Leitung jeweils von den Schülern der Elften Klassen übernommen wird. Jede Jahrgangsstufe freut sich darauf, sich in ihrem letzten Schuljahr gehörig verabschieden zu können… Ziel ist es, die verschiedenen Jahrgangsstufen untereinander zu integrieren und die Möglichkeit zu geben, sich gegenseitig kennen zu lernen. Vor allem die jüngeren Schüler profitieren davon besonders, da sie Kontakte zur Oberstufe aufbauen können und dort Vertrauenspartner finden. Außerdem wird jedes Mitglied der Gruppen gebraucht und bekommt eine oder mehrere Aufgaben zugeteilt. Somit wird auch schon im jungen Alter gelernt, Verantwortung zu überehmen und das eigene Beste für die Gruppe zu geben. :)
Ich muss darauf hinweisen, dass die Semana Patronal nicht nur im San Pedro, sondern auch im San Pedrito, der zugehörigen Grundschule, durchgeführt wird.
Somit wird im Laufe einer Schullaufbahn 11 Mal die Semana Patronal durchgeführt.
Die acht Gruppen treten dann während der ganzen Zeit gegeneinander an und holen sich dafür auch teilweise die Unterstützung der Lehrer ;) Sei es in Tanz, Sport, Talentwettbewerben, Geschicklichkeit usw…
Ich zum Beispiel wurde Teil der “Pitufos”, der Schlümpfe.

Das Plakat meiner Gruppe

Ein Teil der Gruppe in Verkleidung und mit dem Gruppen T-Shirt

 

 

 

 

 

 

 

 

Die verschiedenen Gruppen haben schon in der Woche vorher begonnen sich vorzubereiten, d.h. unzählige Plakate zu malen, sich Sprüche auszudenken, Lieder zu suchen und dazu passende Tänze einzustudieren und das alles noch so, dass es zum Thema der einzelnen Gruppen passt.
Offiziell beginnt die Woche mit einem großen Basar am Sonntag, an dem die Schule für alle, ob Schulfamilie oder nicht, geöffnet ist. Jeder Club bietet eine andere Spezialität zum Essen an, die Pfadfinder verkaufen Kaffee, Kuchen und Eistee, Musikgruppen treten auf usw.
Kurz gesagt stellt der Basar einen Familientag zum Eingewöhnen dar.
Am Montag muss jeder Club eine Präsentation vorführen, die das Thema desselben mit Hilfe von Schauspiel und Tanz darstellen und erklären soll, warum es zum allgemeinen Thema der Semana Patronal – “Quienes sirven con AMOR transforman nuestra región” , “Diejenigen, die mit LIEBE dienen, verändern unsere Region” – passt.
Ich habe mir dafür sogar extra ein Kostüm besorgt, wie man auf dem Foto oben ja auch sehen kann ;)
Es folgt ein Tanzwettbewerb, ein Gesangswettbewerb und eine Kopie der Sendung “Yo me llamo”, in welcher die Lehrer für die verschiedenen Gruppen antreten und berühmte Sänger oder Gruppen nachahmen. So bekamen wir zum Beispiel Kiss, Jennifer Lopez, Shakira usw zu sehen :)

Michael Jackson und ich ;)

Eine der Gruppen hat zum Beispiel nur zu Liedern von Michael Jackson getanzt, weshalb ich auch die Möglichkeit hatte, ein Foto mit der extra für diesen Anlass vorbeigekommenen legende schießen zu lassen… →
Am letzten Tag fährt die ganze Schule nach Mensulin, dem Sportgelände des Colegios, wo sportlich gegeneinander angetreten wird.
Ich habe schon allein im Schatten mit kurzen Hosen und T-Shirt an der Hitze gelitten und bin trotz reichlichem Sonnenschutz gebräunt nach Hause gekommen, mag mir aber gar nicht vorstellen, welche Qualen die Schüler durchlitten haben, die zum Abschluss noch über eine Stunde lang im prallen Sonnenschein getanzt haben, um noch ein paar letzte Fotos für ihre Gruppe zu gewinnen. Naja immerhin sind die Kolumbianer diese Temperaturen eher gewöhnt… :D

Wer jetzt damit rechnet, dass ich währned der ganzen Woche nur Spaß hatte, hat Recht, allerdings war ich auch gehörig im Stress. Während der folgenden Tage bringt außerdem jede Gruppe Lebensmittel, Nahrung oder Schulutensilien mit um die “Campaña de Solidaridad” zu gewinnen. Ziel ist es, die Gruppe zu sein, die nach Gewicht die meisten Spenden mitbringt, welche letztendlich wieder den verschiedenen Projekten der Schule zu Gute kommen. :) Wir mussten darauf achten, dass nichts durcheinander kommt.
Außerdem habe ich zusammen mit dem Team von Pastoral über eine Woche lang Hot-Dogs und Eis verkauft.
Mir ist während dieser Zeit schmerzlich bewusst geworden, wie gut doch unsere deutschen Würstchen sind… (aber zum Essen gibts in der nächsten Zeit einen gesonderten Artikel)
Die für die Hot-Dogs verwendeten Würstchen erinnern sehr an Wiener… Sie sehen so aus, sie riechen so, sind aber nicht knackig sondern weich… und werden außerdem in Plastikhüllen produziert…
Ein Hoch auf die bayrische Ess-Kultur ;)
Zurück zum Verkauf… Mein Tag begann jeden Morgen damit, ca 60 Würstchen zu häuten und genau so viele weiche Semmeln aufzuschneiden. Mit den fertig gekochten Würstchen haben wir dann auf die Horde hungriger Schüler gewartet, von denen fast jeder Sonderwünsche hatte… Die Bestellung ” Mit allem, aber ohne… ” durfte ich sehr oft ausführen. Außerdem habe ich wohl hunderte Male erklärt, warum es zusätzlich zu jedem Kauf noch ein Los für einen Goldring gab:
Da der Erlös des Verkaufs von Eis und Hot-Dogs auch der Stiftung Mamá Dioselina zugeht, haben wir uns dieses Jahr etwas besonderes ausgedacht. Ein Juwelierhändler der Stadt hat uns einen Goldring im Wert von 350.000 Pesos, also ca. 140 € gespendet. Dieser Ring wurde anschließend unter den verkauften Losen verlost. So konnten wir den etwas höheren Preis rechtfertigen und gleich noch mehr als normal verkaufen. Insgesamt waren es 853 Hot-Dogs.
Die Konsequen ist leider nur, dass ich momentan Ketchup, Mayo, Senf oder Ananasmarmelade nicht mal riechen kann ;)

Zwiebeln, Kartoffelchips, Käse, Ketchup, Mayo, Senf oder Ananassoße... was darf's sein?

Angenehmer erschien mir da schon die Verkauf des Eises… :) Bei den ca 30° C, die wir während der Woche am Mittag immer hatten, tat der kalte Lufthauch aus der Gefriertruhe jedes Mal gut… Noch dazu, weil uns jeden Tag so ziemlich alles abgekauft wurde, da ansonsten in der Schule nur die Cafeteria Eis verkauft, und nur sehr wenige Sorten.
Wir hingegen hatten alles mögliche im Angebot:
Schokolade, Arequipe, Brownie, Baileys, Rum mit Weintrauben, Cocos-Nuss und Cocos, Maracuya, Feijoa, Erdbeere, Blaubeere, Kaugummi und verschiedene kolumbianische Spezialitäten, deren Übersetzung ich leider nicht finden kann. Das Erklären würde den Rahmen sprengen… ;)
Fast alles, was das Schüler- (oder auch Lehrer-) herz begehrt, konnten wir zu einem sehr niedrigen Preis anbieten… ich habe jede einzelne Sorte (außer Kaugummi, pfui) probiert und war beeindruckt :)
So habe ich eigentlich den ganzen Tag stehend oder laufend (auf der Suche nach Nachschub) verbacht und bin dann immer dementsprechend müde nach Hause gekommen.
Dabei war der Tag aber noch gar nicht zu Ende, denn es mussten ja auch noch die Aktivitäten des jeweils nächsten Tages mit der Gruppe besprochen und eingeübt oder die Erfolge des Tages gefeiert werden :)
Kurz gesagt bekommt man während dieser Woche nicht gerade viel Schlaf, allerdings wird das mit so viel Spaß ausgeglichen, dass ich das gane gleich noch mal machen würde :)

Ich hoffe, ich konnte zumindest einen kleinen Eindruck von dem, was ich erlebt habe, übermitteln :)
Liebe Grüße an alle, die zu Hause an mich denken, ich vermisse euch!
Eure Theresa

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Lo diario… der Alltag

Griass eich! :)

Falls sich jemand fragen sollte, was ich außer den sozialen Projekten mache… ? ;)
Ich habe bis jetzt noch gar nichts über die verschiedenen Fahrten erzählt, an denen ich teilnehme… leider ist mir das auch nicht möglich, da zu meiner Überraschung und auch zu meiner Freude einige gute Freunde, aber auch Schüler auf die Idee gekommen sind, meine Blogartikel in den Google-Übersetzer einzugeben, um mehr über meinen Aufenthalt und meine Eindrücke herauszufinden.
Die Schule hat aber eine ganz bestimmte Regel: „Dejate sorprender“ – „Lass dich überraschen“, d.h. ich kann jetzt auch nicht detailliert berichten, da die Kinder der jüngeren Klassen natürlich nicht im Voraus wissen sollen, was sie während der Tage der Orientierung, des „Campamento Juvenil“ (Jugendlager) oder weiterer Wochenendausflüge erwartet.

Ich kann nur so viel sagen, dass ich bei allen Aktivitäten sehr viel Spaß hatte und ganz bestimmt eine große Menge an lustigen, sinnvollen oder erziehungstechnisch wertvollen Spielen mit nach Deutschland bringen kann.
Durch die immer sehr gründliche und auch anstrengende Vorbereitung mit den anderen Begleitern habe ich mittlerweile einige sehr gute Freunde gefunden :)
Außerdem werde ich sehr oft von den Teilnehmern besucht, bei denen ich anscheinend das Interesse an meiner Heimat geweckt habe, da sie mich mit ihren Fragen geradezu löchern… außerdem wachsen ihre Deutschkenntnisse, folglich werde ich schon regelmäßig auf deutsch begrüßt, was mir -ob der Aussprache oder des Akzents- immer wieder mal ein Grinsen übers Gesicht huschen lässt :)

Immerhin kann ich euch einige Fotos anbieten, wie ihr seht, bin ich mit großen Gruppen unterwegs :)
Für uns Leiter ist das natürlich sehr anstrengend, da wir trotz all der vorbereiteten Logistik natürlich auch noch aufbauen müssen, hin und wieder fünf mal laufen, um die richtige Zange zu finden und nebenbei auch noch hunderte von Fragen der Kids beantworten dürfen. Außerdem wird in den Nächten noch der Tag besprochen und kurz auf die Aktionen des nächsten Tages eingegangen….
Schlaf gibts da nicht sehr viel, allerdings lohnt sich der Aufwand wirklich :)
Wer sich jetzt fragt, was denn diese Ausflüge mit dem Titel zu tun haben, hat schon ganz Recht :)
So ganz passt das noch nicht zusammen… aber wie schon gesagt, diese Ausflüge brauchen eine enorme Menge an Vorbereitung. Und die machen wir im Büro…
Apropos Büro, man sollte jetzt bitte nicht davon ausgehen, dass ich in einem mit hochmoderner Technik ausgestattetem Raum untergebracht bin, in dem den ganzen Tag das Telefon klingelt und jeder in Computerbildschirme starrt.
Pastoral ist sozusagen das Herz der Schule. Der Ort, an den die Schüler in den Pausen kommen, um zu reden oder schnell was auszudrucken, die Lehrer die Freistunden verbringen, Kaffee trinken und die Brotzeit verspeißen, jeder dem’s gerade nicht mal so gut geht, einen Zuhörer findet… Alle möglichen Gruppen, z.B. Ministranten, treffen sich hier zu ihren Besprechungen und machen eine Menge Lärm… da sind wir öfters froh, wenn bis zur nächsten Pause wieder ein bisschen Ruhe einkehrt :D
Jetzt sind wir ja doch schon beim Alltag angekommen, habt ihr’s gemerkt?
Da neben unserem Arbeitsplatz die Kapelle der Schule liegt, kommen auch sehr oft Einzelpersonen, Familien oder ganze Gruppen vorbei, die die Kapelle besichtigen und danach mieten wollen. Ich bin mittlerweile auch schon berechtigt, dies zu tun und verstehe bei den meisten Telefonaten zu diesem Thema auch die komischen Namen ;)
Trotzdem brauche ich hin und wieder die Hilfe von María, der Sekretärin… sie hilft mir aber gerne :)

Ansonsten habe ich viel zu basteln… ja genau :) Ausmalen, Ausschneiden, Anstreichen, Kleben und und und. Das alles mache ich hauptsächlich, wenn wir Plakate zu bestimmten Themen vorbereiten.

Infoplakat zur Semana Patronal

Hier seht ihr zum Beispiel unser drei Meter langes Infoplakat zu unseren Aktionen in der Semana Patronal. Was das ist? Währen dieser Woche werden die Schüler der ganzen Schule in 8 Gruppen verteilt und treten gegeneinander in sportlichen oder musikalischen Wettbewerben gegeneinander an, führern Theaterstücke auf oder organisieren Modenschauen usw… Während dieser Woche gibt es keinen Unterricht, und wir verkaufen schon eine Woche vorher Hot Dogs und Eis und verlosen einen gestifteten Goldring. Alle Einnahmen sind für einen guten Zweck,in diesem Fall Mamá Dioselina … Dafür darf ich mich auch morgen noch mal den ganzen Tag auf dem Boden sitzend mit einem 5 Meter- Plakat beschäftigen :)

María beschriftet unser Plakat zu San Pedro Claver

Mein eigenes Plakat zum "Tag der Liebe und Freundschaft" am 17.September

 

 

 

 

 

 

Außerdem machen wir eine Menge kleinerer Plakate passend zu den Tagen verschiedener Heiliger mit Wichtigkeit für die Schule oder eben dem “Día de Amor y Amistad”… Mir gefällt das Bild in der Mitte meines Plakates am besten: “Die Freundschaft kennt keine Grenzen”… das passt momentan natürlich so richtig :)

Ich habe auch schon öfters davon geschrieben, dass wir immer wieder Kleidungs- und Lebensmittelspenden bekommen, die wir kontrollieren müssen. Die Kleidung auf Qualität und Sauberkeit, die Lebensmittel auf Haltbarkeit. Es kommt aber nur in sehr wenigen Fällen vor, dass wir schlechte Dinge bekommen.

Wir arbeiten mit Mundschutz und Handschuhen

Zu unserer eigenen Sicherheit benutzen wir immer Mundschutz und Handschuhe, wenn wir die Kleidung sortieren, da diese teilweise sehr verstaubt oder von Motten befallen ist.
Die gute Kleidung wird dann in Baby-, Kinder-, Damen- und Herrenkleidung unterteilt und in Plastiksäcke verpackt. Danach wird sie an verschiedene Familien verteilt. Manch einer wäre überrascht, welch gute und vor allem Kaum gebrauchte Hosen, Blusen usw. wir bekommen.

Eine Art Care-Paket

Geschichtskundige werden jetzt wissen wovon ich spreche :)
Jedes Mal, wenn ich die Lebensmittel sortiere und danach Pakete daraus zusammenstelle, muss ich an die Care-Pakete denken, die deutsche Familien in den Nachkriegsjahren aus Amerika gesendet bekamen. Natürlich ist das System unterschiedlich, die Nahrung wird von den Schülern und ihren Familien gebracht, allerdings sind die Pakete ähnlich.
Reis, Mais, Bohnen, Linsen, Nudeln, Dosenkonserven, Pflanzenöl, Kakaopulver, Kaffee, Gelatinepulver, Päckchensuppen, Ketschup, Kekse usw. Alles, was sich eine Zeit lang hält, wird eingepackt und verteilt. Hin und wieder werden auch Hygieneartikel wie Zahnbürsten oder -Pasta, Schampoo, Seifen, Deos und Klopapier etc. vorbeigebracht. Allerdings verpacke ich das alles extra, um zu vermeiden, dass die Lebesmittel den Geruch annehmen oder zerstört werden, sollte sich mal was öffnen.

Ihr seht, meine Aufgaben im Büro sind ganz unterschiedlich und immer wieder ist etwas Neues dabei.
Nach der Semana Patronal werde ich dann genau berichten, was ich alles erlebt habe!
Bis dahin, macht es wie ich und lasst es euch gut gehen!

Pfiad eich,
Theresa

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Fortbewegung – oder: die etwas andere Art, den Verkehr zu regeln

¡ Hola todo el mundo! – Hallo zusammen!

Schon allein der Titel dieses Artikels verrät, dass ich hier in Kolumbien in einem “etwas” anderen Umfeld lebe, was geregelten Verkehr oder öffentliche Fortbewegungsmittel angeht. Der eine oder andere mag sich vielleicht noch an meinen ersten Artikel erinnern, in dem ich über meine Erfahrungen im Transmillenio der Hauptstadt geschrieben habe. Allein die paar Momente, die ich eingezwängt zwischen vielen anderen, unbekannten und einer völlig fremden Kultur entstammenden Menschen verbracht habe, haben mich damals schon sehr angestrengt. Noch dazu, weil ich vorher ausgiebig vor den Taschendieben gewarnt worden war…
Jetzt habe ich mittlerweile schon 2 Monate hier in Bucaramanga verbracht, unendlich viele weitere Eindrücke gesammelt, aber dennoch erlebe ich immer wieder Überraschungsmomente, wenn ich (mit welchem Fortbewegungsmittel auch immer) in den Straßen der Stadt unterwegs bin.

Man stelle sich einmal vor, wie in Deutschland oft über die Verkehrsverhältnisse geschimpft wird: Schlecht ausgebaute Autobahnen, durch Baustellen ausgelöste Staus, holprige kleine Straßen am Land, die partout nicht neu geteert werden, zu wenig Kreisverkehre, schlechte Busverbindungen… das kennen wir doch alle, nicht wahr?
Und ich kann mir durchaus vorstellen, dass auch der eine oder andere unter uns zu den Kritikern dieser Verhältnisse gehört…
Hier ist das ganze, wie ihr euch wahrscheinlich schon denken könnt, ein klein wenig anders… :)
Schilderwald? Existiert nicht… Die Fahrschüler – die nur ein paar wenige Fahrstunden bekommen und nicht einmal eine Prüfung ablegen müssen – sollten keine Probleme haben, die verschiedenen Verkehrszeichen auseinanderzuhalten. Es gibt auch keinen Grund dazu… Generell findet man nur die Stoppschilder, Schilder für Einbahnstraßen, ein paar wenige Warnschilder und Geschwindigkeitsbegerenzungen (welche aber nicht eingehalten werden).
Ansonsten orientiert sich der Kolumbianer an der Vorfahrt der Calle gegenüber der Carrera. Und verständigt sich mit Handzeichen. Sollte mal gar nichst vorwärts gehen, ist ein melodisches Hupkonzert die Lösung ;)
Auch wenn das jetzt sehr chaotisch klingt, was es zugegebenermaßen auch ist, in einer gewissen Art und Weise ist es auch beeindruckend. In den paar Wochen, die ich schon hier verbracht habe, wurde ich noch kein einziges Mal Zeuge eines Unfalls.
Als Autofahrer hat man es hier trotzdem nicht leicht: Da ein großer Teil der Bevölkerung sich kein Auto leisten kann und nicht jeden Tag mit dem Bus fahren mag, findet man hier so viele Roller oder Motorräder wie selten anderswo. Sie haben den Vorteil, dass der Besitzer sich schnell in den – besonders zu den Stoßzeiten am Morgen, Mittag und zu Feierabend entstehenden-  Staus an den Autos vorbeischängeln kann. Was für die Autofahrer aber auch bedeutet, immer doppelt aufmerksam sein zu müssen, wenn sie losfahren, da die Rollerfahrer wie von Geisterhand auftauchen und auch wieder verschwinden. Das ist einer der Gründe warum ich hier, obwohl ich mir extra den internationalen Führerschein besorgt hatte, so gut wie nie fahre und wenn dann nur mit einem extra Paar Augen eines ortskundigen Begleiters :)

Ein weiteres Problem: Das fehlende Geld um
1. die Straßen auszubessern. Das Geld, das dafür gedacht ist, um die zahlreichen – und teilweise halb die Fahrbahn einnehmenden- Löcher im Aspahlt zu füllen, versickert in der Korruption, wie das Wasser in den oben genannten.
2. Ampeln aufzustellen. Somit werden zu den Stoßzeiten an verkehrsstrategisch wichtig gelegenen Punkten Polizisten eingesetzt, die den Verkehr regeln. Auch Kreisverkehre wären hier eine Möglichkeit, es exitieren auch schon einige in der Stadt, allerdings immer noch nicht genügend.

Schauen wir mal weiter: Wie ich schon einmal gesagt habe, ist Bucaramanga eine Millionen-Stadt. Die öffentlichen Verkehrsmittel sind aber wie in Bogotá eher vergleichbar mit denen einer deutschen Kleinstadt…
Was schon in den Anfängen existiert und sich auch weiterhin im Aufbau befindet, ist das gleiche System wie in Bogotá, nur mit einem anderen Namen: “Metrolinea”
Die Busse bekommen eine gesonderte Spur, damit sie schneller vorankommen, allerdings wird diese auch gern einmal von Privatfahrzeugen genutzt. Dennoch ist das System an sich ein guter Anfang und wird hauptsächlich von Studenten genutzt.
Zusätzlich dazu gibt es viele Linien kleinerer Busse, die sich im Gegensatz zur Metrolinea in der ganzen Stadt bewegen. Ich persönlich mache mich mittags von der Schule aus immer mit der Linie 9 “Pan de Azúcar” (Zuckerbrot) auf den Weg nach Hause.
Der Preis für eine Einzelfahrt beträgt 1.550 Pesos, knappe 60 Cent, Wochen- oder Monatskarten existieren nicht. Für dieses bisschen an Kleingeld kann man sich mit einer einzigen Linie solange fortbewegen wie man will, solange man nicht aussteigt. Beim Umsteigen muss erneut gezahlt werden. Was für uns jetzt billig klingen mag ist für viele Kolumbianer ein enormer Aufwand. Viele der Hausmädchen sind auf zwei bis drei Busse angewiesen, um von Montag bis Samstag zu ihrer Arbeitsstelle zu kommen. Viele Familien zahlen auch Transportgeld, sollten sie das allerdings nicht tun, bedeuten diese paar Euros schon einen tiefen Einschnitt ins monatliche Budget der Angestellten (die meisten Arbeitgeber bezahlen gerade einmal den gesetzlichen Mindestlohn von 500.000 Pesos, sprich 200 Euro).
Meine Busfahrt dauert zwischen 10 und 20 Minuten, wie schnell wir vorankommen ist abhängig vom Verkehr und von der Anzahl der Mitfahrenden… es wird normalerweise ein bisschen langsamer gefahren, wenn der Bus gestopft voll ist, allerdings gibt es auch Busfahrer, die die Armmuskeln ihrer Fahrgäste sehr beanspruchen, wenn sie in Schlangenlinien die schnellste Spur suchen oder um die Kurven brausen. Es gilt immer: Wer keinen Sitzplatz ergattert hat, sollte sich sehr gut festhalten, beim einsetzenden Domino-Effekt kann man aber trotzdem nicht ausweichen ;)
Die Höhe der alten, mit quietschenden Bremsen und nicht funktionierenden Scheibenwischern ausgestatteten Busse ist an den männlichen Durchschnittskolumbianer angepasst: Bis zu einer geschätzten Körpergröße von 1.80 kann man noch stehen, danach muss auf dem Boden Platz genommen werden. Das ist kein Scherz, das hab ich wirklich schon gesehen! :)
Langweilig wird einem während der Busfahrt auch nicht… viele Kolumbianer verdienen sich ihr tägliches Brot damit, in den Bussen zu musizieren, Gedichte aufzusagen, Süßigkeiten zu verkaufen, Getränke oder Kaugummis durchs Fenster anzubieten usw… der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt! Meistens erhalten sie von den Fahrgästen ein paar Hundert Pesos und steigen mit einem glücklichen Lächeln im Gesicht wieder aus. Hier gefällt mir besonders gut, dass die Busfahrer diesen Personen den Fahrpreis oft einfach erlassen :)

Wer schon müde vom Lesen ist, darf sich leider noch nicht auf ein Ende freuen… es geht weiter bei den Taxis :D
An Regentagen oder wenn ich mal besonders viel Gepäck habe, bin ich auch gerne einmal bereit, die bequemere Alternative des Taxis zu benutzen. Generell gilt: Das Taxi besser selbt rufen/rufen lassen, als einfach am Straßenrand zu warten und sich immr die Autonummer aufschreiben, um sich bei Problemen beschweren zu können.
Es wird eindringlich davor gewarnt, Taxis zu benutzen, die schon Fahrgäste transportieren. Die eigene Sicherheit geht dem halbierten Preis vor.
Nun ja eigene Sicherheit ist relativ… ich glaube ich habe noch nicht erwähnt, dass in Kolumbien nur der Fahrer und Beifahrer die Sicherheitsgurte benutzen müssen…
Meine typische Handbewegung beim Einsteigen in ein Auto verläuft oft – bei den Taxis mit Sicherheit – ins Leere. Für die hinteren Sitzplätze sind meist erst gar keine Gurte installiert. Mittlerweile habe ich mich aber schon ein bisschen daran gewöhnt, dabei geholfen hat mir auch, dass die Durschnittsgeschwindigkeit nur ca. 20 km/h beträgt.
Und nun zum Preis… um die halbe Stadt zu durchqueren gibt man für eine Taxifahrt hier gerade einmal 2 Euro aus! Also auch sehr billig. Es ist aber sehr wichtig, sich die Preisliste zeigen zu lassen, gerade bei unsicher wirkenden Ausländern, die offensichtilich die Strecke nicht kennen, verlangen die Fahrer gerne mal mehr. Gut, dass mir vorher die Strecke gezeigt wurde und ich die ersten paar Taxifahrten begleitet unterwegs war… mir kann das also nicht passieren :)

Ich bin bis jetzt leider nocht nicht genug im Land unterwegs gewesen, um über meine Erfahrungen damit zu berichten, verpreche allerdings, das nachzuholen, sobald ich mal Ferien und ein wenig Zeit zum Reisen habe….
In den nächsten Tagen mache ich mich dann auch einmal mit Begleitung auf, um ein paar Fotos von den oben beschriebenen Dingen zu schießen, allein ist das nicht sehr ratsam, nicht dass mir noch meine Kamera geklaut wird… :)
Danach gibts eine Gallerie :D

Bis dahin und schaut bald mal wieder rein!
Liebe Grüße aus Kolumbien!!!!

 

 

 

 

 

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