FAS – formación y acción social

Ich bin mir sicher, dass der Begriff “FAS – formación y acción social” nicht für alle meiner lieben Leser ganz ohne Probleme verständlich sein wird, ohne dass jetzt sofort der Google-Übersetzer befragt werden müsste.
Von daher ist sowohl eine Übersetzung, als auch eine kleine Erklärung notwendig: FAS bedeutet im deutschen soviel wie “Soziale Ausbildung und Handlung”, darunter kann man sich aber wahrscheinlich nicht viel vorstellen.
Wie ich bereits in einem der anderen Artikel beschrieben habe, legt die Schule sehr viel Wert darauf, dass die Schüler nicht nur Wissen vermittelt bekommen, sondern eine darüber hinausgehende Ausbildung bekommen, die sie fähig macht, ihre eingene Persönlichkeit kennenzulernen und zu entwickeln, höflich und offen miteinander umzugehen und die Probleme ihrer Gesellschaft zu erkennen.
Die Aktionen, die mit FAS durchgeführt werden, sollen ihnen Denk- und Handlungsanstöße geben, wie diese Probleme zu lösen sind.
Am besten kann man sich das aber an einigen Beispielen vorstellen, wobei wir wieder bei mir angelangt wären… ich mache ja schließlich mit ;)

Vor zwei Wochen besuchten wir zum Beispiel das “Instituto de Rehabilitación Infantil Santa Teresita” kurz “IRIS”. Dies ist ein Zentrum, in dem nur Menschen mit Down Syndrom leben, denen das Leben bei ihrer Familie aus den verschiedensten Gründen -zumindest vorübergehend- nicht möglich ist.  Die Heimbewohner sind zwischen 3 und 60 Jahren alt, auch wenn der Name vermuten lässt, dass darin nur Kinder betreut werden.
Unser Besuch begann mit einer Begrüßung und einer kleinen Einführung in das Verhalten der Behinderten durch die hauseigenen Psychologinnen. Sie machten sowohl den Schülern, als auch uns Begleitern deutlich, dass wir es mit Personen zu tun haben, die im Grunde genau so sind wie wir, allerdings ein paar Fähigkeiten weniger haben.
Sie machten uns deutlich, dass wir keine Angst vor den Berührungen oder Umarmungen der Bewohner haben und einfach offen auf sie zugehen sollten.
In der darauffolgenden Stunde bekamen wir das Haus gezeigt, allerdings befindet sich dieses in einem bedeutend schlechteren Zustand, als ich es mir vorgestellt hätte. Allgemein sind die Mauern recht alt und feucht und dieser Geruch, zusammen mit dem Geruch nach Desinfektionsmitteln, Essens(resten) und kranken Menschen macht den Aufenthalt nicht gerade angenehm.
Außerdem ist das Heim ziemlich überfüllt und das Personal reicht vorne und hinten nicht aus. Das große Problem hier sind die fehlenden finanziellen Mittel, die in Kolumbien leider nicht so gut an die betroffenen Stellen weitergeleitet werden, wie das zum Beispiel zu Hause in Deutschland der Fall ist.
Danach wurden wir in getrennten Gruppen in die verschiedenen Aufenthaltsräume des Hauses geführt. Wer sich jetzt große Zimmer mit einem freundlichen Ambiente vorstellt, liegt leider falsch.
Die Zimmer, in denen sich die Bewohner meist aufhalten, sind hauptsächlich dunkel, trist und nur mit dem Allernötigsten ausgestattet und zudem noch hoffnungslos überfüllt.
Die Behinderten, die zum Großteil auf den Rollstuhl angewiesen sind, halten sich die größte Zeit des Tages auch dort auf. Nur einige wenige, deren gesundheitlicher Zustand es auch erlaubt, verlassen das Heim, zum Beispiel um zur Schule zu gehen.
Das Verhalten, das anfangs von allen an den Tag gelegt wurde, lässt sich wohl am besten mit “unsicher, zurückhaltend oder verängstigt” beschreiben. Viele der Bewohner begannen bei unserem Eintreten zu weinen, weil sie so große Besucherzahlen nicht gewöhnt sind. Im Gegenzug suchten einige der Schüler Schutz hinter der Gruppe oder bei den Lehrern, weil sie mit der Situation überfordert waren, und Angst hatten, angefasst zu werden.
Mit der Zeit gewöhnten wir uns aber an den für uns so neuen Anblick und wir gingen offen auf die Bewohner zu, teilten unsere Kekse mit ihnen und durften sogar einige der Kinder füttern. Unser Interesse wurde mit viel Fröhlichkeit, unzähligen Umarmungen oder dem gemeinsamen Singen von Kinderliedern belohnt.
Als es für uns Zeit war, aufzubrechen, gab es sogar einige, die in Tränen ausbrachen und uns begleiten wollten. An dieser Stelle muss ich die beeindruckende Arbeit, die das Personal im Heim leistet, bewundern, denn sie benötigen nicht nur physische Kraft, zum Beispiel um Unfälle zu vermeiden, sondern auch eine enorme Menge phsychischer Stärke, um jedem Einzelnen der Behinderten gerecht zu werden.
Wir alle waren nach dem Besuch ziemlich geschockt, leider kann ich keine Fotos anbieten, um meinen Artikel bildlich zu gestalten, da ich meine Kamera wegen der Hausregeln nicht benutzen durfte.

In meinem nächsten Beispiel möchte ich von einer ganz besonderen Frau und ihrem Engagement für Kinder, alte Menschen, und mittellose Familien erzählen.
Ich habe sie und viele ihrer Schützlinge vor einigen Wochen zusammen mit Schülern der sechsten Klasse kennengelernt.
Mamá Dioselina oder ihre Stiftung ist das wohl größte Projekt, um das sich das Colegio San Pedro zur Zeit kümmert.
Dioselina Bernal, die von allen nur “Mamá Dioselina” genannt wird, ist eine beeindruckende Frau, die es trotz extrem begrenzter Mittel und ohne staatliche Unterstützung schafft, sich um ca. 30 Personen, die in ihrem Haus leben, und zusätzlich um viele Rentner zu kümmern.
Sie bietet in einem sehr kleinen Haus nicht nur 15 Kindern, sondern auch vielen jungen Frauen, von Gewalt vertriebenen Familien mit nur einem Elternteil oder eben auch Senioren ein Heim.
Zugegebenermaßen kann man die Lebensumstände der großen Gemeinschaft nicht wirklich menschendwürdig nennen.

Die Betten dienen tagsüber als Lagerplatz für die Spielsachen der Kinder

Dioselina selbst schläft mit 14 Kindern in einem einzigen Raum mit 5 Betten, die mit bis zu 5 Kindern belegt werden. Auf den Fußboden werden Matratzen gelegt, um noch einigen älteren Menschen Platz zu geben. Die Zimmer im Haus sind gleichzeitig Wohn-, Schlaf- und Lagerräume. Jeden Abend muss das ganze Haus umgeräumt werden, damit jeder seinen Platz zum Schlafen bekommt. Die Senioren schlafen auch oft zu zweit oder zu dritt in Hochbetten. In dieser Gemeinschaft fehlt es vorne und hinten an finanziellen Mitteln, doch die Stiftung erhält, obwohl ofiziell anerkannt, keinerlei Hilfe vom Staat und wird bei jeder Anfrage vertröstet. Die sich im Nachbarhaus befindende Bäckerei bevorzugt alles Brot, das nicht mehr verkauft werden kann, an die Hühner zu verfüttern oder wegzuschmeißen, anstatt den hilfsbedürftigen Nachbarn zu helfen. :(
Die ganzen zum Überleben notwendigen Lebensmittel erhält Mamá Dioselina, indem sie sich zu Fuß -das Geld reicht für die Busfahrt nicht aus- zu den großen Marktplätzen aufmacht und dort bei den Händlern um nicht mehr zu verkaufende Lebensmittel oder Früchte bittet. Trotz der Bereitschaft dieser zu helfen, kann den Bewohnern an einigen Tagen nur eine einzige Suppe angeboten werden.  Das Haus, ist, wie ich bereits sagte, sehr überfüllt, es gibt nur ein einziges Bad, in welchem jeden Morgen drei bis vier Kinder auf einmal geduscht werden. Da sowohl die Strom- als auch die Telefonrechnungen regelmäßig nicht bezahlt werden können, wird oft mit Kerzen beleuchtet oder sehr früh zu Bett gegangen.

Man beachte die geringe Menge an Lebensmitteln für die große Anzahl von Bewohnern!

Die Kinder sind froh, wenn sie Tag für Tag eine Packung Kekse mitnehmen können, ehe sie sich auf den einstündigen Weg zu Fuß zur Schule machen. Sie alle haben große Pläne, was sie einmal studieren wollen, träumen davon Architekt oder Lehrer zu werden, momentan müssen sie allerdings froh sein, wenn sie gebauchte Schuluniformen bekommen, um überhaupt in die Klassenräume gelassen zu werden.
Jeden Tag kommen viele Senioren aus der Nachbarschaft, um die freie Zeit miteinander zu verbringen. So werden die Tage, abgesehen von den Stunden, in denen “gearbeitet”wird, zum Beispiel Plastik oder Kartone gesucht und zum Recycling gebracht werden, um ein bisschen Geld zu verdienen, mit Singen, Tanzen oder dem Spielen von Domino, Mensch ärgere dich nicht usw. verbracht.
Während unserem Besuch hatte ich nicht einmal Zeit, meine mitgebrachte Verpflegung zu essen, da ich ununterbrochen am Spielen oder Reden war  ;) Gott sei Dank wurde ich ja von vielen liebenswürdigen Schülern begleitet, die sich in gleicher Weise mit den Beowhnern beschäftigten. Wie ich schon öfters erwähnt habe, sind selbst die ärmsten Menschen in Kolumbien noch so lebensfroh, dass ich viel von ihnen lernen kann. Wir haben sehr viel zusammen gelacht! Als es Zeit wurde, zu gehen, baten sie mich und die Schüler, ihnen zu helfen, und so habe ich schon begonnen, bei sämtlichen Freunden und Bekannten meiner Gastfamilie um Lebensmittelspenden oder Altkleider zu bitten, die immer gerne angenommen werden. Bis jetzt war die Resonanz sehr groß und ich freue mich schon rießig darauf, Mamá Dioselina nächste Woche mit einem der Pater besuchen und mit der mitgebrachten Hilfe überraschen zu können. :)
Meine Hilfe ist aber nur ein ganz kleiner Teil der Hilfe, die die Stiftung von der Schule bekommt. Seit eingen Monaten sammeln alle Schülerinnen und Schüler Geld, um ein größeres Haus für alle Bewohner kaufen zu können. Mit den verschiedensten Akivitäten sammeln die einzelnen Klassen, wobei am Ende des Jahres eine Klasse den Ehrenpreis für den höchsten gesammelten Betrag bekommt. Es wird damit gerechnet, dass Ende dieses Jahres oder nächstes Jahr das Haus endlich gekauft werden kann, damit die Gemeinschaft keine Miete mehr bezahlen muss und endlich jeder mehr Platz haben wird.
Zusätzlich dazu werden regelmäßig alle Schüler aufgerufen, haltbare Lebensmittel oder Keidung und Schuhe mitzubringen, die Dioselina bei den Besuchen der Pater oder der Klassen überreicht werden.

Ich könnte jetzt noch Ewigkeiten weiter erzählen, aber meine Finger tun mir mal wieder weh… ich verspreche aber, dass ich bald wieder von meinen Besuchen erzählen werde.
Bis zum nächsten Mal,

Theresa :)

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Eine Antwort auf FAS – formación y acción social

  1. Kral-Eckert Ulrike sagt:

    Hi Theresa,

    jetzt hab ich endlich einmal die Zeit gefunden um Deine Artikel zu lesen. Durch Deine Erzählung über die Armut der Menschen und den Umständen wie sie leben fühle ich mich gut 12 Jahre zurückversetzt als ich mit Fröschl Christian in Kenia war. Nach diesem 3-wöchigen Besuch bei den Massai und den Ärmsten der Armen in den Slams habe ich in einem Zeitungsartikel für die PNP geschrieben: “Man muss die Menschen und ihre Umgebung fühlen, berühren und riechen um wirklich zu begreifen und sich tatsächlich vorstellen zu können unter welchen Umständen diese Leben – und dabei noch immer ein Lächeln auf den Lippen haben….Ich kann das was Du gerade erlebst daher bestens nachempfinden und ich finde es toll, dass Du Dich jetzt durch Spendenaufrufe für diese Menschen einsetzt. Es mag vielleicht nur ein Tropfen auf dem heissen Stein sein, aber jedes Stück Brot, oder jedes Kleidungsstück, das du den Menschen, sei es jetzt in diesem Behindertenheim oder bei der tollen Frau die so viele Menschen bei sich untergebracht hat, zukommen lässt ist Gold wert.
    Ich bin stolz auf Dich und ich hoffe, dass Du noch ganz viele Erfahrungen mit nach Hause nehmen kannst – auch wenn die Eindrücke und das ERleben ziemlich schwer zu verarbeiten sind …ich wünsche Dir viel Energie und Kraft, damit Du in diesem Jahr vieles bewirken kannst, was den Menschen hilft. Denkst Du eine Spendenaktion z. B. bei uns im Kindergarten würde Euch etwas nützen.?Ist jetzt nur so eine Idee, aber ich sitze im Elternbeirat und genau so etwas haben wir ja damals für den Schulbau in Dol-Dol/Kenia auch gemacht…! Ich hab Dich lieb ganz doll lieb Ulrike

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