FAS 10° – Mesa de los Santos

Compartimos la vida y el trabajo con el campesinado
Hermano y hermana campesina muéstrennos su parcela
ODER AUCH
Wir lernen das Leben und die Arbeit der Bauern kennen.
Brüder und Schwestern, die auf dem Land arbeiten, zeigt uns euer Ackerland.

Keine Angst, wer bis jetzt nur Bahnhof versteht, die Erklärung kommt gleich :)
Diese Woche habe ich zusammen mit den Schülern der 10ten Klassen eine ganz besondere Erfahrung gemacht.
Im Rahmen der FAS Aktivität dieses Jahres ging es für uns auf in die Mesa de los Santos, einer Region in der Nähe von Bucaramanga, um einen Tag lang das Leben und die Arbeit der dort lebenden Bauern kennenzulernen.
Dafür machten wir uns am Donnerstag Mittag, alle bepackt mit Isomatte, Schlafsack und der Kleidung des nächsten Tages, mit dem Bus auf zu einer dreistündigen Reise in das Hochland, das vor allem für seinen vorzüglichen Kaffee und Tabak bekannt ist.
Zuerst waren wir 2 Stunden auf der geteerten Straße unterwegs, das letzte Stück des Weges verbrachte ich allerdings mit einem mulmigen Gefühl. Die Straße wich einem sandigen Weg, gerade einmal so breit, dass der Bus noch um die Kurven kam, auf der einen Seite sah man viel sandiges Gestein, auf der anderen gings steil den Abhang hinunter…
Um nicht darüber nachzudenken, was bei Gegenverkehr passieren könnte, habe ich mich einfach auf die wunderbare Landschaft konzentriert.

Rotes Sandgestein, grüne Hügel und blauer Himmel am Nachmittag

Ananas sind Bodenplanzen

Die Straßen sind trocken und staubig, haben aber eine wundervolle rot-orange Färbung. Außerdem hatte ich den Eindruck, dass der Himmel einige hundert Meter über Bucaramanga gleich noch blauer aussieht, als man das aus der Stadt gewohnt ist. Das durch den – dieses Jahr vergleichsweise häufig gefallenen – Regen genährte Grün der Pflanzen und Gräser vervollständigt das malerische Bild.
Ich schäme mich fast ein bisschen, das jetzt zuzugeben, aber bis vor einigen Tagen dachte ich noch, dass Ananas auf Bäumen wachsen… nun wurde ich eines besseren belehrt ;)
Auf unserem Weg kamen wir nämlich auch an zwei Ananasplantagen vorbei und ich musste feststellen, dass Ananas Bodenpflanzen sind… wie war das noch mal? Man lernt ja doch nie aus…
Die letzte halbe Stunde des Weges hat mich der Schlaf übermannt, da es nichts Neues mehr zu sehen gab und das Geruckel des Busses eine einschläfernde Wirkung auf mich zu haben scheint… :)
Das nächste Mal wachte ich auf, als wir schon an unserem Übernachtungsort angekommen waren: Der Kapelle des Ortes, wo wir den nächsten Tag verbingen würden.
Ort… für mich heißt Ort ja immer noch eine Ansammlung von Gebäuden, die doch relativ nahe zusammengebaut sind. Hier ist die Kapelle zusammen mit der Schule das Zentrum während man in einigen hundert Metern Entfernung ein paar Häuser ausmachen kann.
Zuerst stellten wir nur unsere Sachen ab und warteten auf die Familien, die mit uns einen kleinen Wortgottesdienst feierten. Danach hatten wir noch ein bisschen Zeit, uns gegenseitig kennenzulernen ehe es für uns hieß, zu Abend zu essen und unsere Schlafstätten herzurichten. Dass wir uns dann alle auch gleich hinlegten hieß aber nicht viel, einige hatten anscheinend vor, die ganze Nacht wach zu bleiben, ich kann dazu aber

Mädchen und Jungs schliefen getrennt

nichts sagen, denn ich war gleich eingeschlafen und ließ mich von dem angeblich recht lauten Geschrei ausnahmsweise nicht aufwecken :)
Am Freitag hieß es dann um 6 raus aus den Federn, denn um sieben wurden die Familien erwartet, um die Kleingruppen abzuholen und zu ihren Fincas zu begleiten. Einige erschraken ein bisschen angesichts der Tatsache, dass man doch teilweise tatsächlich die 5 oder 6-jährigen Kinder geschickt hatte, um sie abzuholen, da die Großen ja zur Schule mussten und die Erwachsenen schon unsere Ankunft vorbereiteten.
Meine Gruppe und ich machten uns auch mit unseren Begleitern auf den Weg und nahmen die mitgebrachten Lebensmittel und Haushaltswaren mit… nach ca. 30 Minuten in der Morgensonne wurden uns diese aber ganz schön schwer, sodass wir froh waren, dass das nächste in der Ferne auftauchende Haus auch tatsächlich “unseres” war… die Häuser stehen hier alle in ca. 5 Minuten Entfernung zu Fuß zueinander…
Das Haus ist sehr ärmlich eingerichtet, der Boden besteht aus festgestampfter Erde und es gibt kein Bad oder Klo. Die Familie wäscht sich mit dem Wasser aus dem im Bild zu sehenden Brunnen.
Im Gegensatz dazu gibt es aber Radio, einen DVD-Player und zwei Fernseher. Es leben drei Generationen im Haus, da der ältere Bruder bereits verheiratet ist und zusammen mit seiner Frau und der 10 Monate alten Tochter auch dort lebt. Zur Begrüßung bekamen wir zuerst einmal schwarzen Kaffee, ehe wir zum Frühstück gebeten wurden. Und dann wurde aufgetischt:

Wir bekamen ein riesiges santanderianisches Frühstück, bestehend aus Caldo, einer typischen Suppe mit Kartoffeln und Eiern, zwei große Stücke Arepa (eine Art Brot), eine Portion Rührei mit Würstchen und heiße Schokolade, die auch wirklich so schmeckte, serviert…
Nachdem ich alles aufgegessen hatte, entschuldigten sich die Herren des Hauses für die “kleine Menge”, die sie uns anbieten konnten und zeigten uns, was wir als nächstes machen würden:

Wir trennen die klebrigen Tabakblätter von den Pflanzen

In diesen Häusern werden die Tabakblätter getrocknet

Wir wurden zu einem der an allen Seiten offenen Häusern geführt, die man in der Region sehr oft findet, da dort der selbst angebaute Tabak getrocknet wird. Unsere Familie hat nur ein kleines Tabakfeld, da der Großteil ihres Einkommens vom der Sohn, der im Bauwesen arbeitet, bestritten wird, demzufolge ist das Haus auch nicht sehr groß. Unsere Aufgabe war es, die sehr klebrigen Tabakblätter von den Pflanzen zu zupfen, damit später die Blätter auf Drähten aufgefädelt und aufgehängt werden konnten. Wir brauchten viel Seife und Wasser um unsere gelb-braunen Hände danach zu reinigen. Wenn einmal viele Reihen Tabakblätter neben- und übereinander zum Trocknen aufgehängt sind, ergibt das ein ähnliches Bild, wie man oben sehen kann.
Damit die Pflanzen vor dem Regen geschützt sind, reicht das Dach fast bis zum Boden, zusätzlich dazu werden auf den Seiten Plastikplanen angebracht.
Wir waren nach einer halben Stunde mit der Arbeit fertig und mussten dann feststellen, dass es nichts anderes mehr für uns zu tun gab, da die Bauern uns nicht zu sehr anstrengen wollten. Um dennoch etwas zu tun zu haben, besuchten wir die Nachbarn. Die dort eingesetzten Schüler freuten sich über unsere Unterstützung, da sie gerade dabei waren, alte Tabakpflanzen zu entwurzeln.
Einfach? Nein… :)
Die Wurzeln sind zwar sehr kurz und nicht tief im Boden verankert, allerdings muss man einiges an Kraft anwenden, um sie auch wirklich herauszubekommen…

Ich habs geschafft ;)

Wir sind dabei auch gehörig ins Schwitzen gekommen und waren froh, kurz vor dem Mittagessen noch eine kleine Pause einlegen zu können.
Die Hausherrin tischte wieder ordentlich auf, obwohl wir eigentlich noch vom Frühstück voll waren. Ablehnen war nicht möglich, immerhin hatte sie extra für uns eine Henne getötet, um uns noch Fleisch anbieten zu können.
Um etwas Bewegung zu bekommen, besuchten wir noch einige andere Familien in der Umgebung und ließen und dabei von den Kindern führen.
Da die Kinder dort jeden Tag zu Fuß zu Schule gehen und das schon seit sie sehr klein sind, haben sie keinerlei Probleme mit der Ortientierung. Wir sind uns aber einig, dass wir uns allein wohl verlaufen hätten ;)

 

 

 

 

So verließen wir uns einfach auf die vor uns laufenden und ständig erzählenden Kinder und konnten uns nebenbei wieder einmal auf die uns umgebende wunderbare Landschaft konzentrieren.
Am Nachmittag verabschiedeten wir uns schließlich von der Familie, bedankten uns herzlich für die Gastfreundschaft und freuten uns über ihre Bitte, doch bald wieder zu kommen. Danach ging es wieder auf die Rückreise.
Ich persönlich folge der Einladung bestimmt, immerhin kommt vor Weihnachten noch “Campamento Misión”. Aber was das ist, erfahrt ihr, wenn es soweit ist ;)
Bis dahin erzähle ich noch viele andere Sachen!!

Bis zum nächsten Mal!
Grüße an Deutschland,

Theresa :)

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